| Sollt mir nicht das Lachen schelten, |
| Und das Weinen, laßt es gelten! |
| Was mir wollte trüb erscheinen, |
| Mußt ich mir herunterweinen. |
| Was mich wollte tanzen machen, |
| Mußt ich mir herunterlachen. |
| Lachen, mit den nassen Augen, |
| Solches Lachen, laßt es taugen! |
| Weinen, mit dem frohen Mund, |
| Wer es kann, weint sich gesund. |
| Drum das Lachen wie das Weinen |
| Mußt ich in der Stimme einen, |
| Und die wollt es nimmer halten, |
| Stärker waren die Gewalten: |
| Aus der Stimme wollte springen |
| Hell ein Lied, – ich ließ es klingen! |
Das Leben ist keine Geschichte, mit Anfang, Mitte, Schluß, Vorbedacht und Absicht. Das Leben ist – ja was ist es?
Der Tag hält das Individuum. Und so wie es Tage gibt, die uns hoch emporheben, über unser Menschenmaß zuweilen, so gibt es andere, die uns schleifen.
Und die Tage machen das Schicksal. Wie einzelne Buchblätter fallen sie aufeinander, zerfliegen und zerstieben oder – werden zusammengefaßt, von einer stärkeren Macht. Der Wille baut aus den Tagen ein Schicksal, wie eine greifende, kräftige Hand aus wirbelnden Blättern ein Buch.
»Geschichten« mit Vorsatz und Absicht verfälschen das Leben. Blätter sind es, aus denen ein Schicksal wird.
Lange, lange habe ich die Melodie gesucht, das Motiv dieses Vielklangs. Nun aber ist mir, als höre ich aus der Musik, die mir von dir kommt, immer wieder einen einzigen Grundton, diesen Grundton, der nicht nur der deiner Musik, sondern der deiner selbst ist, und in mich hineindringt, zwingend und doch milde, mit jener sanften Gewalt, die mir in deiner ganzen Person verkörpert erscheint.
Und dieser Grundton ist wie die Dominante auf alle meine eigenen Töne, das Einzelne, das Verstreute, das Mannigfaltige wird mir durch ihn in Akkorde gebracht, und ich höre Harmonie. Dissonanzen entwirren sich mir, das Motiv wird mir deutlich, dunkle Stimmen sinken mir in die Tiefe, wie Baßbegleitung zur Melodie, und die Paraphrasen und Variationen meines Themas scheinen mir nicht mehr sinnlos, sondern notwendig. Das hast du getan, du guter Musiker! Die Stimme, die Singstimme, die sich mir aus der Kehle verloren hatte, hast du mir wiedergeholt, sie herausgerufen mit deiner Musik von da, wo sie sich verborgen hielt. Wo war es denn? Und jene – andere Stimme, mit der ich mich rufen soll, in diesen Blättern, sie kommt mir vielleicht mit ihr. Stimme, Hauch und Seele: die Alten hatten dafür nur ein Wort: anima.