Und »Entfremdung des innersten Wesens« und »Versagen der melodischen Kraft«, es ist ein und dasselbe!

Habe Dank du, der du die Erstickte mir wieder belebtest!

Und mit dieser Stimme, dieser einen Stimme, denn es ist ja nur eine, mit dieser Stimme, die du so gerne singen hörst, die du so zärtlich heil gepflegt hast, da sie mir in meiner Kehle rauh geworden und zersprungen war, mit ihr will ich dir erzählen alle meine Schicksale, die zugleich die ihren sind.

Du weißt ja schon alles. Aber mich soll ich erlösen davon, so willst du, und sie damit ganz befreien. Niedergelegt soll es sein, geopfert.

Geopfert – wem? Den Göttern? Werden sie gnädigst als Opferdampf in die Höhe entführen, was aus diesen irdischen, allzu irdischen Flammen emporsteigt?

Aber diese irdischen Flammen selbst, stammen sie denn nicht von ihrem eigenen Herd?


Wenn ich nun mein Leben schreibe für dich, wie du es willst, so wird das ja dann wohl ein »Buch«? Wenn es denn schon ein Buch werden soll, so wünschte ich, es würde eines wie das, von dem Flaubert träumte: »– ein Buch, ohne jeden äußeren Rückhalt, das sich durch sich selber halten würde, aus der inneren Kraft seines Stils, wie die Erde in der Luft schwebt, ohne gestützt zu werden, ein Buch, das fast keinen Stoff hätte, oder in dem der Stoff fast unsichtbar wäre, wenn das möglich ist.«

Wenn das möglich ist. Möglich aber ist es, so will mir scheinen, nur dann, wenn es notwendig ist. Wenn es nicht anders geschehen konnte, denn eben so. Wenn der Stoff sich unter den Händen von selbst auflöste in lauter – Stimme. Also ein Buch der Stimme, ein Stimmungsbuch. Stimmung, die der »Handlung« nicht entbehrt, sie aber in sich aufgenommen und aufgelöst hat. Gewöhnlich ist's umgekehrt: Stimmung ist eingewoben in Handlung. Dies Buch, von dem Flaubert träumt, müßte seinen materiellen Stoff aufgelöst haben in sich zu lauter Stimme, Seele, Hauch, – anima.

Solche Bücher aber werden nicht vorsätzlich geschrieben. Sie werden diktiert. Von irgendwoher. Und wie von selbst entstehen sie unter diesen wie zu Medien gewordenen Händen. Eine Melodie klingt auf und nimmt ihren Weg. »Wem gehört sie an – dem Vogel? Oder wer leiht sie ihm nur?« Und welch ein Zustand, der sie ausklingen und entströmen macht?