Dieser Zustand – nicht selbst schon Stoff? Stoff, nicht vom Staube geboren und zum Staube gehend: Aus dem Geiste geboren und zum Geiste gehend. Und der Staubgeborene, über den er kommt, dieser Zustand, ist dann außer dem Staube, außer sich, – ekstatisch.
Wie es über mich kommt, will ich schreiben. In kurzen oder langen Zusammenhängen, in wehenden wirbelnden Blättern oder in treulich geführter Chronik. Wie es über mich kommt. Wie es mir – diktiert wird. Vorsatzlos will ich bleiben.
Kindheit – Sehnsucht danach? Was ist dies? Ausgeliefert an alles und alle, unwissend und doch schon ahnend, wieviel es zu wissen gäbe, wieviel erfahren werden müsse, bevor das Chaos Welt seine Gestalt offenbare. O diese verzweifelte Sehnsucht im kleinen Kinderherzen nach dem Trauten, dem Ähnlichen, und dabei nicht wissend, ob es dieses Ähnliche gäbe, oder ob nicht dieses eigene kleine Ich (das da zu reflektieren beginnt) ein großer Irrtum sei, der sich nach dem andern, dem Umgebenden, korrigieren müsse!
Ach, was ist das für ein Grauen, wenn ein kleines Mädchen einsam ist.
Ich erinnere mich, daß ich im Prater war, beim Riesen Wilkins. Mutterseelenallein machte ich Ausflüge, mit zehn Jahren (Giorgio, mein Bruder, war im Pensionat). Und ich – allein, allein. Denn mir war irgendwie nicht wohl, mit den allermeisten Leuten.
Meine Mädchenjahre – studieren, singen, tanzen – ohne Ahnung, was daraus werden sollte. Der Tag regulierte mein Leben. Ich tat, was ich tun konnte.
Eines Tages sagte mir Rudi Neudorfer: »Sie müßten mit Ihrem Temperament zum Theater gehen. Auch haben Sie Stimme.«
Zum Theater? Ja, manchmal riß es mich hin, das Theater. Tanzen, singen, springen, lachen, weinen, jubeln – das konnte man ja auf jenen Brettern.
Rudi Neudorfer war Sohn seines Papas und Literat dazu. Sein Papa gab ihm Essen, Wohnung und Taschengeld, und Rudi schrieb Feuilletons »leichteren Genres« für Wiener Tagesblätter. Die meiste Zeit verbrachte er im Café. Dort kam er in Stimmung. Ein junger Herr war er, den ich in Gesellschaft kennen gelernt hatte. Er machte mir den Hof. Aber nicht auf so gewöhnliche Art wie andere Leute. Er sagte mir »Wahrheiten« über mich selbst. Oft waren es Grobheiten. Trotzdem deutete er mir an, daß er mich liebe.