»Er hat eine Frau?«
Eigentlich ja. Oder eigentlich nein. Denn er war geschieden. In aller »Freundschaft« hatten sie sich getrennt. Der Vater der Frau, ein Wiener Geschäftsmann, hatte sie in sein blühendes Geschäft gerufen. Da war sie mit ihren drei Kindern aus Slavonien nach Wien gekommen und führte mit großer Tüchtigkeit das Geschäft, eine Eisenwarenfabrik, weiter. Sie und die Kinder hatten zu leben. Einverständlich hatten sie sich getrennt.
»Warum?«
»Ich weiß nicht recht, aber sie werden wohl ihre Gründe gehabt haben. Sie haben sich eben aufgebraucht.«
»So, so.«
»Übrigens verkehren sie wirklich freundschaftlich miteinander und erziehen ihre Kinder. Ich glaube, er wollte frei sein.«
»So wird es wohl sein.«
Seit kurzer Zeit war er nun auch hier, hatte ein Drama geschrieben, einen Roman begonnen und seine philosophischen Artikel erregten Sensation. »Kurzum – du mußt ihn kennen lernen.«
Nach drei Tagen gab Giorgio in seiner Junggesellenwohnung einen »Abend«. Diese Abende bei Giorgio waren philosophisch-alkoholischer Natur. Man redete immer schrecklich viel. Nach einiger Zeit schrie man. Sein Kanzlist Peterka wurde in einen schwarzen Rock gesteckt und fungierte als Diener. Peterka erschien mir an diesen Abenden immer als der einzige nüchterne Kopf. Wurde es zu arg da drin, so kochte er Lindenblütentee und reichte ihn den Gästen zur Beruhigung.