Ist ein Liebesverhältnis das, – was der Mann daraus macht? Nein: was die Frau daraus macht. Aber das ist das, was der Mann ist. Denn die Frau kann nichts anderes daraus machen, als das, was ihm gemäß ist.
Das Sonderbare war, daß mir nach und nach meine Stimme verloren ging. Wenn ich sah, wie er dasaß, immer bereit zum »Angriff«, war mir, als würgte mich eine Hand an der Kehle. Mein Gesicht wurde eine Grimasse, die Hand, die spielen wollte, zitterte, daß sie schrille Mißgriffe beging, und ein dilettantenhaftes Geklimper, als Begleitung zum Gesang, war alles, was ich ihr abzwang. Und die Stimme verlor ihre Farbe, ihre Kraft, ihren Mut.
Dennoch zwang ich mich und versuchte es immer wieder, besonders wenn er nicht da war. Dachte ich aber auch nur an ihn, war's aus.
Dieses unaufhörliche Im-Kopf-Umherwälzen der Divergenzen, die man mit einem Menschen hat, dieses Memorieren der Reden und Gegenreden, die »gehalten« wurden, dieses Vorbereiten auf neue Angriffe, diese Sorge, Unruhe und Qual, die aus diesem Wust von Kampf und Gier erwächst, das alles verschüttet die Stimme, wie nichts sonst auf der Welt. Keinen Gedanken kann man fassen, der unbeeinflußt wäre von dieser Krankheit (so kann man es fast nennen), die einen da befallen hat, zu keinem Ding sich freien Sinnes hinwenden, keinen Ton seiner Seele entringen, der stark und rein wäre.
Das Merkzeichen eines glücklichen Verhältnisses, das Merkzeichen, daß man an den »Richtigen« gekommen ist, daß alles so ist in der Liebe, wie es ihrer Idee entspricht, ist: daß die Gedanken an ihn, den man liebt, einen nicht verschlingen. Man »stellt vor« (sich und ihn) in Anschauungen, aber man »denkt« nicht an ihn in Theorien. Er »beschäftigt« einen nicht, in dem Sinn, daß die produktiven Energien davon aufgezehrt würden. Man wendet sich, im Gegenteil, von einem feurig-freudigen Lebensgefühl durchtränkt, seiner Arbeit zu, beschäftigt sich mit ihr und trägt ihn dabei tief und fest im Gemüt. Und die »Stimmen« springen auf.
Das war meine Insel, meine Insel der irdisch Seligen, meine »Heimat«, von der ich immer träumte!
Messianisch ist das Wirken der Liebe. Und ihr Erlösertum besteht darin, daß einer dem andern die Spannung löst, diese Spannung seines eigenen isolierten Selbst. Und daran erkennt man den falschen Messias: daß der diese Spannung nicht löst.