Er beobachtete dieses ihr Verklingen und Versagen.

»Du hast keine Kraft«, sagte er.

Nein, ich hatte keine Kraft.

Etwas, irgendein vampirartig gefräßiges Etwas, fraß und sog an meiner Kraft, meiner Stimme. Wie man dies Ding zu nennen habe, erfuhr ich erst – später.


Eine gewisse Sorte von »Adelsmenschen« war es, die er als Gegensatz zu der »mondänen« Gesellschaft hoch pries.

Wenn solche Elemente auftauchten, so gab es nur ein beherrschendes Wort bei uns: »Sünde«. »Aber das verstehst du so wenig wie die Sprache des Zambesinegers«, sagte er in seiner wenig liebevollen Art. »Eine Frau fühlt sich nie schuldig, außer etwa in erotischen Dingen. Sünde, Gewissen, – was wißt ihr davon?«

»Sünde« war in solchen Zeiten, wo er mit jenen Adelsmenschen verkehrte, die jeden verachteten, der geputzte Nägel hatte, Sünde war zum Beispiel »die Art, wie du durch ein Zimmer gehst, wie du die Schleppe deiner Hauskleider über den Teppich schleifen läßt, wie du in einen Fauteuil sinkst! Sie entzückt mich ja eigentlich, diese deine Art, aber das eben ist das Schlimme: dieses mondäne, profane Element in deinem und meinem Wesen!«

Ich war da ganz Sündenpfuhl in seinen Augen: »Das korrumpiert mich!« (Korrumpieren war das zweite Zambesinegerwort.)

Zuzeiten konnte er wieder nicht genug von dem kriegen, was ihn angeblich »korrumpierte«, wenn mir auch gar nicht zumute war, es ihm zu spenden.