Abhängigkeit! Alles was vom Wesen der Liebe war, nannte er »Abhängigkeit, hängen«. Ich bewies ihm, daß man in diesem seinem Sinne schon abhängig würde, wenn man sich einem Blumenstrauß zuwendete.

»Richtig, richtig. Wenn man hängt am Blumenstrauß, gerät man in Abhängigkeit!«

Wenn er auf diese Weise oft stundenlang in mir herumbohrte, mir Tränen des stummen Zorns in die Augen trieb und ich ein Gefühl hatte, als würde mir Gift ins Blut gespritzt, konnte ich mir sagen, – mein Gott, wohin bin ich geraten!


Seltsame und für ihn tief bezeichnende Redensarten hatte er:

»Ich weiß nicht, was es ist, – ob ich liebe oder hasse.« Oder: »Ich muß es zerschlagen, – um zu sehen, was drin ist«, wie ein Kind sein Spielzeug. »Nicht hinüberziehen!« sagte er scharf, wenn ich einen Versuch machte, einen werdenden Konflikt zu verhüten. »In alles hineinblicken, alles auseinanderlegen und dann – von frischem aufbauen!« Das war seine Maxime. Und diese Art von Verkehr entsetzte mich! Wie ein Fabelwesen kam er mir vor, das dann, wenn es alles getan hat, was es als solches tun muß und die Glocke eins schlägt, – sich umwandelt in einen liebenswürdigen Prinzen.

Oft mußte ich auch an den Golem denken, den Lehmdiener des Wunderrabbi, der zu rasen anfing, weil der Rabbi vergaß, ihm am Sabbat das heilige Gotteswort aus dem Munde zu nehmen.


Sanft, sanft, sanft! Wehe den Unsanften! Fluchbringer sind sie, die das zarte Instrument Seele zerrütten. Kein Heil kann durch grobe Worte kommen.

»Ich fange an,« sagte er, »dich zu – hassen. Für diese deine Güte. Du hast mich enttäuscht. Du erschienst mir, als ich dich kennen lernte, wie ein wunderbar wildes, gefährliches Liebestier. Aber daß du dabei das Herz eines Engels hast, das dachte ich mir nicht. Ich hoffte, du würdest mich vernichten. Aber du würdest dich eher von mir vernichten lassen, als mir auch nur ein Haar krümmen!«