In diesen philosophischen Stunden mit Dimitri konnte er sich über eines nicht genug wundern: über diese sonderbare Wirkung der Philosophie auf mich! Das Studium der Philosophie, es regte mich immer – musikalisch an. Setzte sich mir, fast sofort, in Musikerlebnis um. Je tiefer die Weisheit war, je heißer und inniger wir hineintauchten, desto mehr wurde mir's zum – Singen!
Über Weiningers großes Werk waren wir in besonderem Eifer. »Wie willst du ihn denn kontrollieren?« sagte er, indem er meine sachlichen Einwendungen abwehrte.
»Indem ich ihm dort nachgehe, wo sogar ich ihn kontrollieren kann.«
»Wo denn?«
»Am Gerippe, das seinen Bau trägt: am Tatsachengerüst, – an der Wahrheit der Tatsache an sich – der Tatsache: Weib.«
Aber wenn schon meine Argumente gegen den Weininger ihn nur ärgerten, mußte er doch zugeben, daß manches an meiner Person ihn einigermaßen ad absurdum führe.
Eine besondere Verachtung hatte Dimitri für Frauenbücher. Er analysierte sie mir im Detail. Er legte sie vor uns hin, auf den Tisch, nahm sie vor und zerfaserte die Worte, die Sätze, die Begriffe.
»Sie haben nicht Ehrfurcht vor der Majestät des Wortes. Sie wissen nicht, was für ein furchtbares Ding das ist: das Wort. Sie gehen damit um, wie ein Kind, das ahnungslos mit einem Rasiermesser herumspielt. Und, was das Schlimmste ist: sie haben kein Wissen. Und man merkt's ihren Büchern an! Wie das alles im Leeren tappt! Und kleine, niedliche Motive haben sie. Aber gibt es ein Frauenbuch, um ein Problem herum, um ein ewiges und doch bisher geheimnisvolles Problem? Und so, daß man doch das Zeitliche rauschen hörte darin? Und Gestalten sähe? Gestalten und Gesichte? Fleisch und Geist? Wo ist es, dieses Frauenbuch? Ein Frauenbuch, empfangen in einem besonderen Rhythmus? In einem Rhythmus, der nicht geplant werden kann, der »kommen« muß? Ein durchaus originäres Frauenbuch? Ein Frauenbuch, wie es kein zweites gibt?!