Männerbücher kann ich dir genug nennen, wie nur eine einzige Person sie schaffen konnte, keine zweite. Was Nietzsche gab, was Wagner gab! Ja, was Frenßen gibt, was Altenberg gibt, was Wilde im Dorian Gray gab! Das sind Mußbücher, wie es keine zweiten ›ähnlichen‹ gibt. Wo wäre solch ein Frauenbuch? Über Frauen ›kommt‹ es nicht.«
»Du vergißt, Dimitri, daß doch Frauen – Priesterinnen waren! Es ›kam‹ über Pythia, es ›kam‹ über Diotima, da sie einen Sokrates belehren konnte über das Wesen des Eros.«
»Das ist wahr«, sagte er nachdenklich. »Aber seit damals ist es eben nicht mehr über sie gekommen.«
Ich nannte einen Namen: Lagerlöf.
»Visionen. Wunderbare, unerschöpfliche Visionen. Aber neben Gesichten, die nur einem Einzigen werden, will ich Gestalten sehen, die der Zeit gehören. Ein Frauenbuch, das hineinträfe mitten ins Herz der Zeit, daß sie, die Zeit, auflachen und aufweinen müßte darüber, – wo wäre es, solch ein Frauenbuch?«
So oder ähnlich, – ich habe mir die Worte nicht genau gemerkt, – sprach Dimitri über Frauenbücher. Ich glaube, es war viel Wahres an dieser seiner Kritik. Und eine Schriftstellerin, die bisher vielleicht, ehrfurchtslos wie wilde Kinder, ihre Gefühle explodieren ließ, ohne abzuwarten, bis das, was aus ihnen stürzte, aus seinem »Henidenstadium« (o Weininger!) sich zu reinen Begriffen erlöst hatte, solch eine Schriftstellerin hätte durch Dimitris schonungslose Kritik aufgerüttelt werden müssen.
Und dann – dann hätte sie entweder für immer verstummen müssen, – oder –
Schade, daß ich keine Schriftstellerin bin!