»Ach nein, – dafür mußt du ihn nicht verantwortlich machen«, sagtest du mit deiner lieben, deutschen Ernsthaftigkeit.

Und dann putzten wir und hauchten wir – zusammen.

Du hast mir ja noch ganz anderes getan: Du hast mir ja die Tränen von den Augen geküßt, die ich um Dimitri geweint.


Als ich dieses Glas putzte am Rahmen und dieses Bild herausnahm, – da hatte ich etwas wie Furcht. Hatte er immer Furcht vor mir, jetzt habe ich sie vor ihm. Dieses schmerzdurchwühlte Gesicht, ich kann es nicht ertragen, es benimmt mir den Atem und erregt mir Beklommenheit.

Dein Bild hat dieses reine Glas getrübt.
Wie sollt' ich's anders meinen?
Dies Bild hatt' ich dem Rahmen längst entnommen,
Ein liebes Frauenantlitz war an seine Statt gekommen,
Und trüb, befleckt will's hinter diesem Glas erscheinen,
Wo deine strengen Augen durchgeglüht.
Wo dieser wilde Blick hineingelodert,
Da ist ein Lebendes daran vermodert.
Wo dieser Stirne Dräuen ward gesehen,
Da mußt' ein Herz in Bangen stille stehen.
Und war einst wie Kristallglas ein Gemüt, –
Dein Bild hat dieses reine Glas getrübt.
Aus diesem Mund ist nie ein Heil geblüht!
Fort mit dem Rahmen, der zu seiner Zeit
Gedient! Fort auf den Schutt: Vergangenheit.
Fort mit dem trüben Glas, fort mit dem toten Rahmen,
Denn ungemahnt nur geht sich's neue Bahnen,
Fort mit dem Bild, das mich mir selbst getrübt!

Das ist ja ein Gedicht?


Ich möchte gerne wissen, wann es so begonnen hat zwischen uns. Den Tag möchte ich wissen. Und kann ihn nicht herausbekommen. So wenig wie jenen, an dem ich begonnen habe mit diesen Blättern.