Das Elfeglöckel läutete die Mittagsstunde ein, da ging ich hinüber in den Saalbau, um mich meinem Vater zum Heimweg anzuschließen. Als wir durch das Vorzimmer kamen, saß da in einer Ecke der Falke Gust bei einem tellergroßen »Biffstek« und rief mit schon etwas lallender Stimme: »Mahlzeit Herr Direkter! Hier sitzn de Mussegantn, Moses un de Profetn!«

Um drei Uhr nachmittags war ich wieder zuplatze, da begann das Vogelschießen. Dies wurde aber nicht von der Schützengesellschaft abgehalten, sondern die Schnepperschützen hatten die einmalige Erlaubnis bekommen, ihr Vogelschießen diesmal ausnahmsweise vor dem Schießhaus abhalten zu dürfen. Zu diesem Zwecke hatten sie vor der Vogelstange, unten beim alten Schießhaus eine geräumige Bude aufgestellt, aus der sie mit ihren großen Armbrüsten (Schneppern) dem riesigen Adler auf der Vogelstange zuleibe gingen.

Uns Jungen machte es ein besonderes Vergnügen, Jagd nach den verschossenen Bolzen zu machen, die wir dann, das halbe Dutzend für einen Dreier, zur Bude zurück brachten. Ich konnte diesen Erwerb recht gut gebrauchen, denn ich hatte meine restlichen vier Neugroschen – wie gewonnen, so zerronnen – in der Würfelbude verknobelt.

So kam ich auch jetzt wieder mit einer handvoll Bolzen zur Bude zurück, da lehnte der Horndrechsler Pfeifer am Eckpfosten und uzte die Schnepperschützen.

»Fffft« machte er es gerade: »Schu wiedr drnahm wack. Ihr mißt doch nooch'n Vugel zieln, net noch ne Maandn, dar stieht doch itze gar net an Himmel! Mir ham doch itze Neimaand.«

»Halt de Gusch!« schimpfte der Rohrlapper, »du machst uns när de Bolzn schei!«

Beim nächsten Schuß machte es Pfeifer wieder: »Fffft! wiedr e Loch in Himmel. Ich gelaab, dr Peterus is ausgerissn, dar is doch ka Minut sicher vr eiern Fahlbolzn.«

Nun wurde es den Geneckten doch zu bunt und sie schrien durcheinander: »Gieh doch du rei, du Maulaff! – Zeig erscht du emol, wos de kast, du Grußgusch! – Dar fällt doch geleich im, wenn dr Schuß lusgitt!«

Ohne weiteres kroch Pfeifer durch die Absperrleinen und verlangte einen Schnepper. – Nun hatten aber die Schützen ein altes abgelegtes Monstrum, ganz extra für solche Fälle, bei der Hand, an dem der Bügel nicht mehr fest im Schafte stak, so daß derselbe ohne Schwierigkeit seitlich verschoben werden konnte und so rückten sie ihn, bevor sie ihn mit der Drehwinde aufzogen, ein gutes Stück nach links, so daß die ganze Schleuderkraft nach dieser Seite verlegt wurde, dann reichten sie den mühsam gespannten Schnepper mit verhaltenem Lachen, dem ahnungslosen Pfeifer.