Dieser stand nun, jeder Zoll ein Tell, im Anschlag und zielte, lange und genau zielte er, denn unter keinen Umständen durfte er sich blamieren. – »Sättersch!« stichelte der Leonhardt Schmied: »Itze getraut'r sich net, ne Finger krumb ze machn.« – Da drückte Pfeifer ab und – ein zehnstimmiges, schallendes Gelächter durchbrauste die Bude.

Der heimtückische, ungleich gespannte Schnepper hatte Pfeifer eine solch wuchtige »Faunz« versetzt, daß er, den Schnepper weit von sich schleudernd, einen Luftsprung machte und dann, mit einem Gesicht wie ein herabgefallenes Mondkalb, auf seinen geliebten fünf Buchstaben saß. Das alles dauerte nur Augenblicke, dann nahm er sich zusammen, krabbelte sich ächzend in die Höhe und wortlos, nur mit einem grundtiefen Verachtungsblick auf die Schnepperschützen, hinkte er zur Türe hinaus.

Diese aber krümmten sich vor Lachen wie die Würmer und als ihm der Könitzer nachrief: »Der Rumpes is gefalln, Sie wern fei Keenig!« da drehte sich Pfeifer herum, und drohend die beiden Fäuste schüttelnd, entrangen sich befreiende Worte von seinen Lippen. Mit Löwenstimme donnerten sie zur Bude zurück, die Kraftworte Götz von Berlichingens, in sechsstelliger Multiplikation. –

Pfeifer hatte genug Vogelschießen. Hinkend und sich sämmtliche Backen reibend, stapfte er stadteinwärts.

Als er an Stahls Schuppen vorbeikam, begegnete ihm der Härtel Fritz, der ihn schon von Weitem mit staunenden Blicken betrachtete.

»Inusse sog mr när,« sprach ihn dieser an: »Du host doch ene Papp drahsitzen wie ene Backmuldr? host wuhl endlich emol aane drwischt?« – Pfeifer sah ihn bissig an. »Zähwieting ho ich!« gab er barsch zurück. – »Zähwieting? ginne dä dir de Zahnervn esu weit nunner, bis in de Baah, doste drezzeverze drzu machst?« Pfeifer ließ ihn stehen und hinkte davon. Erst nach einigen Schritten drehte er sich wütend um und rief dem noch immer dortstehenden Härtel zu: »Gieh när du nei in de Schnapperbud, wenn de ka A…ladr drah host!« – –

Kopfschüttelnd und um Pfeifers Seelenzustand ernstlich besorgt, ging auch Härtel seines Weges, schießhauswärts.

Er war zwar nicht Schütze, aber der Schützenmittwoch galt von jeher als bürgerliches Volksfest, an dem sich Jedermann nach Herzenslust beteiligen konnte. So strebte nun Härtel der Schützenkegelbahn zu, als er aber um den Saalbau herumschwenken wollte, da hörte er lustige Stimmen drüben im Wachhäusel.

Wo es lustig zuging, da war Härtel in seinem Element und so lenkte er die Schritte hinüber und spähte zur halboffenen Türe hinein.

In der Wachstube saßen um einen großen Tisch herum ein Dutzend uniformirte und nicht uniformirte Männer, die auf sämmtlichen Stockzähnen kauend, sich an einem feisten Schinken gütlich taten. Härtel wollte schon wieder abschieben, da rief der Maler Engelbrecht in seinem damals noch unverfälschten hannöverschen Dialekt: »Sspaziren Sie nur herein, Herr Härtell, Sie dürfenn auch mal von unseremm delikatenn Schinkenn kostenn. Es ist ne ganz besonders feine Sochte, die wie Butter auf der Zunge zergeht. Ich gebe Ihnen mein Wocht, der Schinkenn stammt von einer Edelsau aus guter Familje.«