Nur wenige alte Schneeberger werden sich noch auf die ehemalige Kommunalgarde entsinnen können. Schreiber dieser Blätter war zur Zeit ihrer Auflösung, im Jahre 1853, noch »Einjähriger« beim Regiment Milch und Zwieback und so kann er nur vom Hörensagen berichten, daß sie aus 700 Mann bestanden hat, die in neun Kompagnien eingeteilt waren.

Der Buchbindermeister Lehmann, Gott hab ihn selig, hat es mir gesagt und dabei versichert, daß er nie im Leben gelogen habe, nämlich, daß fünf dieser Kompagnien nicht mit Gewehren, sondern mit Lanzen, Spießen und Knüppeln, die Bäcker mit Ofengabeln und die Essenkehrer sogar mit Reisigbesen bewaffnet gewesen wären. – Bei Fürstenbesuchen hätten die Letzteren nicht mit ausrücken dürfen, weil sie mit Ofengabeln und Besen doch nicht gut hätten »präsentieren« können.

Aber von den Feuerschützen, war die von der k. privilegierten Schützengesellschaft gestellte erste Kompagnie in militärischer Feuerdisciplin ausgebildet – damals bestanden noch 24 Tempo zum laden und feuern – und da die Patronen mit den Zähnen abgebissen werden mußten, konnten nur Männer eingestellt werden, die ein gesundes, natürliches Gebiß besaßen.

All diesen Vorzügen hatte es diese erste Kompagnie zu verdanken, daß sie allein, unter Beibehaltung der Gardeuniform, als die »Schneeberger Schützenkompagnie« fortbestehen durfte und so konnte man sie noch bis zum Jahre 1888 in ihrer, wie soll ich sagen – kleidsamen Schneidigkeit oder schneidigen Kleidsamkeit, bewundern.

Freilich, so ganz uniform waren diese alten Gardeuniformen nicht. Da sie in vielen Fällen vom Vater auf den Sohn vererbt wurden, kam es zuweilen vor, daß, je nach dem Körperumfang des Vor- – oder Nachbesitzers bei dem Einen recht gespannte Verhältnisse zutage traten, dort wieder das Bild einer verschrumpelten »Aeppelspalke« zeigte. Wieder bei einem Dritten, der von Natur etwas zu kurz weggekommen ist, peitschten die Rockschößen die Kniekehlen und beim Vierten bedeckten sie nur das nötigste mit – Nacht und Grauen. Auch das Dunkelblau der Waffenröcke verriet so manche Mißhelligkeit und das Rot der Vorstöße hatte wohl neunerlei Variationen. Daß hie und da einmal zwischen den gelben, blanken Knöpfen ein weißer glänzte, fiel nicht weiter auf.

An die bonapartische Zeit erinnerte der »Schützenhut«, ein, allerdings nicht quer aufgesetzter, Schiffshut, den ein wehender, weißer, bei der Musik rotweißer Federbusch zierte. Diese Admiralshüte dünkten uns Jungen für viel vornehmer, als die schmucklosen Ledertschakos der Neustädtler Schützen.

Eine Ausnahme in der Kopfbedeckung machten die Schanzer, auch Zimmerlinge genannt: Sie trugen hohe Bärenmützen aus Pelzwerk, wodurch diese bärtigen Gesellen ein martialisches Aussehen bekamen. Ein großes ledernes Schurzfell bedeckte ihre Lenden, aber mit ihrem Schanzzeug haben sie wohl nie einen Spatenstich getan, nie einen Baum gefällt.

Kleinere, zottige Schutzfelle trugen auch die Trommler am linken Bein, damit die langen, aus der Landsknechtzeit stammenden Trommeln die Hosen nicht durchwetzen konnten. Auch rote Epauletts mit roten Franzen, nach französischem Muster trugen sie. – Ihr Tambourmajor, der Pflastermeister Thierfelder, bot in seinen blendendweißen Hosen und seinen weißen Gamaschen, die in Kanonenstiefeln staken, einen ebenso originellen, wie imposanten Anblick. Meisterlich verstand er es, seinen goldblitzenden Tambourstab nach dem Takte der Musik in die Luft zu werfen und nach einer Reihe von Schritten wieder aufzufangen.