Die Offiziere trugen als besonderes Abzeichen ein halbmondförmiges goldenes Brustschild und der Schützenkönig, meist in Zivil, sein silbernes Schildgehänge, das noch heute die Brust des Schützenkönigs ziert.
Die »Volontäre«, das waren die nichtuniformierten Schützen sind erst nach meiner Zeit mit ausgerückt. Sie mögen mit ihren schwarzen Cylinderhüten wohl stark an die Besengarde der Essenkehrer erinnert haben und ihnen, nicht zum wenigsten auch ihrer ewigen Hänselei, ist es zu verdanken, daß all die Herrlichkeit der blitzenden Uniformen der bequemen Joppe und dem Jägerhute mit Gemsbart und Spielhahnfeder weichen mußte.
Aber in diesen Blättern sollen sie wieder aufleben, die alten biederen Schützen im Königsrock und einer jener feuchtfröhlichen Schützenmittwoche aus Väterzeiten soll wieder schimmern in pfingstsonnigem Glanz.
Bumderrrabum! – Durch die altehrwürdigen Gassen Schneebergs trommelten die Leichsenringe in sonniger Morgenfrühe den Schützenweckruf:
Kamerad kumm! Kamerad kumm!
Sollst zu deinem Hauptmann kumm!
Sollst en Buckel voll Prügel bekumm! …
Da krochen die Schützen heraus aus den Betten und hinein in die schwarzen Schützenhosen und als dann die Glocken von St. Wolfgang die achte Stunde verkündet hatten, da hörte man bald hier, bald dort eine Haustüre klingeln und nun: »Kommt der Schütz gezogen, früh im Morgenstrahl.«
Auch der Falke Gust erschien im Rahmen seiner Haustüre in voller Schützenuniform, das Kuhbein auf der Schulter. Aber nicht wie die anderen konnte er spornstreichs dem Stellungsplatze zu, enteilen, denn seine bessere Ehehälfte, die Miene, war hinter ihm erschienen und hielt ihn am Kuppel fest. Sie hatte ihm noch einige gute Ermahnungen mit auf den Weg zu geben und eindringlich sprach sie auf ihn hinein: »Doß de mr fei zemittig zun Assn aham kimmst, Gust! ich soog drsch fei!« Der Gust aber begehrte auf: »Du denkst wuhl, en Harigschwanz un e paar Aadippeln halber laatsch ich zemittig vun Schießhaus aham? iech waß noch net emol, öb ich zun Ohmdsassen aham kumm, do werschte mit 'n Bittlich schu allaa fartig warn.«
Da wurde die Miene aber rackerig, sie schrie fast: »Wos, du Lumig! Mei Assn is dr wuhl net gut soot! – Freilich, fer miech is alles gut, dei Fraa kah sich drham rimschindn un ploong, wenn du när draußn bei 'n Schitznbriedern klaam bleim un aa Dippl Lager noonge annern neischmattern kast in de Unendlichkeit, de werscht schu drfür sorring, doß de net ze korz kimmst. – Morring in hallichter Frien kimmste wiedr esu windschief ahgeland wie vunnegahr, wu de mit'n Schlissl de ganze Haustir zrkrahlt host, weil de 's Schlisslloch net drwischn kunntst. – Dos soog iech dr Gust! iech mach dr fei nimmer auf, meitwaang kaste noochert draußn bei dr Vuglstang kampirn«. – Da hellte sich plötzlich ihr Gesicht auf, mit einem Schub gab sie ihren Gust frei und rief dem Davoneilenden triumpfirend nach: »'s is när gut, doß wos gut drfir is!« – Dann trat sie hinaus auf die Straße, sah ihm nach, so lange sie ihn sehen konnte und flüsterte ganz glückselig: »E schiener Karl is 'r doch, mei Gust in seiner Schützenuniform. Freilich, wenn 'r sist vun Ufenausputzn aham kimmt, do sieht 'r esu dracket aus, wie e geraachertr, ins Aschnloch neigeporzelter Schwartnmoong.«
Inzwischen schritt Gust eilends den Kasernenberg hinauf, er hatte den Nachruf seiner Miene noch gehört, nun lachte er stillvergnügt vor sich hin und sagte halblaut: »Gieh när du alter Geizkroong! mit dan halm Toler, dan de mr mietgaam host, kah ich mr freilich kan Utan-Urang kaafn, obr de hast schu racht Alte: 's is när gut, doß wos gut drfir is!« Bei den letzten Worten hatte er sich umgedreht und als er die Miene noch drunten stehen sah, schlug er sich an die Schützenbrust, wo in einer verborgenen Tasche einige größere Geldstücke klimperten und da er jetzt außer Hörweite war, rief er laut: »Do sitzn de Mussekantn, Moses un de Profetn!« – Hohnlachend verabschiedete er sich mit den Worten: »Du Schoof, du dumms!« Er bemerkte es gar nicht, wie der Bäckermeister Förster, der hemdärmelich unter seiner Türe stand, ihm verständnisinnig zunickte.