Die B-Klarinette, der Bretschneider-Fritz, vertrat die Meinung, daß der Direktor Leichsenring seinen Erfolg nur dem Umstand zu verdanken habe, daß er ein geborener Schneeberger sei. Aber die A-Klarinette machte es: »Papperlapapp! E paar scheene Larven sin's, die's Deater voll machen. Der schöne Retzlaff, der die Weibsen drei Meiln im Umkreis verrickt gemacht hat – und die Freilein Wesche, derzulieb jeder Rotzlaff ins Deater rennt.«

»Halt eire Klarenettenschnäbel!« warf der Flötist Schürer ein: »Wie warsch denn neilich in der Regimentstochter, wo die Wesche die Marie gesunge hat? da hat doch von eich zween kee Luder mehr uff de Noten geguckt, da hab ich mit der Fleet egal einspringen missen, sonst wär's zweete Regiment fei nich 'rangerickt.«

»Ei ei ei!« heuchelte die C-Trompete, der lange Dörfel: »Aber Kunst, werkliche Kunst is doch ooch derbei. Der Wurm, er is freilich kee Adonis, denn en Buckel hat er, wie e Dromedar, aber singe kann der – singe, mer gloobt ne Devrient zu heern.«

»Hostn du schu emol ne Devrient geheert?« höhnte der Posaunist Greiner. »Du bist doch noch net zum Loch naus kumme, hechstns emol nieber of'n Auer Garmerich.«

»Meenste? – Da frag emal ne dicken Bretschneider, mir warn erscht vor Korzen in Leipzig, im Gewandhauskonzert.« »Hatt'r ah miet geblosn?« grinste die Es-Trompete, der Heimtücker Strubelt, aber der dicke Bretschneider schnauzte ihn an: »Du, herrschte Strubelt, der, der dorte die Tuba geblasen hat, der konnt's anderscht wie du, da gabs keene Mißtön, wie du se mannichsmal aus deiner Kanone nausfeierscht«.

Die Tuba aber gab schlagfertig und bissig zurück: »Esu natierlich klinge se freilich net wie die, die du ze denn Fagott nausprasselst«. Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Am lautesten aber lachte der lahme Bretschneider und es war schon mehr ein Giebsen, als er rief: »Un ah net esu laut, wie dar Kanuneschuß neilich in dr Prob, aus'n Anton sein Waldhorn!«

»Ho ich dich drwischt!« brüllte der Wünsch Anton. »Ka annerer Mensch is gewasn als du, dar mr salt dan Papierstöppel in's Mundstick neigedreht hoot.« –

»Vertragt euch doch, Kinder!« mahnte jetzt der Konzertmeister Reiser. »Was sollen denn die Leute von euch denken, wenn sie euren Dischput hören!«

Und richtig, der Weiß Potscher, der in der Nähe gestanden hatte, mischte sich ein. »Wissn se, Herr Reiser«, sagte er, »'s Blosn mit dr Gusch is schwar, iech hoo's ah schu probiert, ich wollt doch salber e Mussegant warn, odr ich kunnt noch esu schie neiblosn ins Trumpetl, 's is doch allemol esu garschtig wiedr rauskumme.«

Drüben an der Ladentüre der Langapotheke stand, bei seinem Freund Heyner, der Stadtmusikdirektor Meyer und erzählte von seinen Monstrekonzerten, die er als hannöverscher Musikmeister mit acht vereinigten Militärkapellen vor Sr. Majestät dem König Ernst August veranstaltet hatte. Da erscholl das Kommando: »Antreten!«