Meyer reichte Heynern die Hand zum Abschied, mit den Worten: »Siehste Heyner, so hat mir Majestät die Hand gedrückt und dabei gesagt: »Meyer, das war eine Glanzleistung von Ihnen.««

Heyner zog bei dem Händedruck erst das eine, dann das andere Bein in die Höhe, jetzt fing er an zu tanzen und schrie: »Autsch! Dunnerwetter! Hol der Teufel Deine Glanzleistung!« – Da legte Meyer seine weißbehandschuhte Rechte salutierend an den goldverbrämten Dreimaster und mit einem Lächeln der Befriedigung auf den Lippen, schritt er zu seinen Leuten hinüber.

Inzwischen waren die Schützen in vier Gliedern angetreten. Feldwebel Schmidt entnahm seiner dicken Brieftasche eine Liste und verlas aus derselben die Namen der Gardisten. In allen Tönen, aus der hellsten Schneiderkehle, bis zum dröhnenden Böttcherbaß, erklang das »Hier!« Nur einmal blieb es aus, als der Laternenwärter Leichsenring, vulgo Hosenbummel, aufgerufen wurde.

»Auf den wird nicht gewartet, der ist sowieso schon zu alt für den Dienst«, entschied der Hauptmann Röder. Er wollte das Schwert ziehen, aber das ging nicht so leicht. Korporal Günther (der Planitzer) half ihm ziehen, da gab es einen Ruck, der Säbel flog heraus und der Hauptmann in die große Trommel, die wohl einen dumpfen Ton von sich gab, aber Stand hielt. Günther hatte sich an den dicken Höfer angeklammert, der ebenfalls einen knurrenden Ton von sich gab, aber auch Stand hielt.

Als sich der Hauptmann von seinem Schreck erholt hatte, trat er an die Front und wollte »Achtung« kommandieren, da rief der Vizekorporal Kleinert: »Herr Hauptmann! dorte kommt der Bummel aus'n Apothekergässel raus!«

»Der hat ja hellgraue Hosen an!« riefen gleich drei auf einmal. – Des Hauptmanns Blicke verfinsterten sich und er knurrte dem Spätling entgegen: »Zu spät kommen Sie und auch noch in einem solchen Aufzug? Sie treten nicht ein!«

»Ich waß schu Herr Hauptmah, ich wollt mich ah när zer Schtell maldn. Odr ich kah wassettersch nischt drfier, mei Schitznhus war untnrim ausgetriefelt un do ho ich se heit frieh nauf zun Heisler Schneider geschickt, dar soll se frisch eiseime, dar hoot mrsche odr net wiedrgebracht. Grod kumm ich vunne har, net emal drham war'r.« – In diesem Augenblick flog ein Freudenschimmer über das Heldengesicht Leichsenrings. »Herr Hauptmah« rief er aus; »Wartn se när noch fimf Minutn; dorte kimmt dar Heislerschneider mit dr Hus iebern Arm im's Richtereck rim.« Ohne eine Antwort abzuwarten, stürmte er davon, packte den Häusler beim Kragen und schob ihn vor sich her in die Hausflur der Garküche hinein.

Der Häusler Schneider hatte, während Leichsenring zu ihm gegangen war, die fertige Hose zu diesem getragen. Da aber jeder einen anderen Weg einschlug, hatten sie sich umgangen. Nun war der Häusler mit der Hose nach dem Topfmarkt getrippelt, wo gewöhnlich die Aufstellung stattfand. Hier war aber infolge eines Rohrbruches das Pflaster aufgerissen und da er sich wegen seiner Stocktaubheit mit niemandem verständigen konnte, war er aufs geradewohl hinüber nach der Ziegengasse getrippelt. Als er da auch keine Schützen sah, nach der Griesbächer Gasse. Schon von weitem hatte man ihn rufen hören: »Bebebummel! Bebebummel!«

Der Hauptmann hatte fünf Minuten gewartet, es wurden sechs, sieben Minuten, Leichsenring kam nicht wieder. Da wurden zwei Schützen zur Nachforschung abkommandiert, die alsbald in der Garküche verschwanden. In der Hausflur hörten sie schon einen Mordsspektakel aus einem sonst verschwiegenen Ort und als sie dort hineintraten, fanden sie den Leichsenring in Socken und Unterhosen, wie er den Häusler Schneider an die Wand gekreuzigt hielt und ihm eine Standrede hielt, über die Dummheit: »Wie se in hunnerttausend Gahrn noch net dogewasn is un ah net wiederkimmt.«

Als er der beiden Schützen ansichtig wurde, ließ er sein Opfer los. »Gott sei getrummelt un gepfiffn!« rief er aus: »hot dä kaner vun Eich e scharfs Masser eistackn?«