»De wärschtn doch net epper ohmorksn wolln?« fragte der Wittig Franz entsetzt.
»Schoden kennts dan nischt, wenn'r emol ohgemorkst wür!« polterte Leichsenring. »Do guckt när emol har, wos dos Kamel do fartig gebracht hoot: meine Schitznhus hoot'r mr untn frisch eiseime solln un doderbei hoot'r sche mr guttegar untn zugeneeht. Itze halft mr när aufschlitzn, mit dan Brummochs – wu is'r dä hie? – war doch nischt ahzefange: Kah Scheer, kah Messr drbei, blus de Schnupptewaksduhs hatt'r eistackn.«
Na, die Hose war schnell wieder aufgeschlitzt, sie triefelte zwar wieder, wie zuvor, aber in kurzer Zeit stand Leichsenring in Reih und Glied.
Nun erfolgten die Kommandos: »Achtung! Augen – rechts! Richtung! Höfer – 'n Bauch nein! Augen – geradaus! Schulterts – Kepp! Iebersch – Kepp! Rechts – um! Vorwärts – marrrsch!«
Unter Trommelschlag schwenkte alsbald die Kompagnie um den goldenen Ring herum. Am Rathaus wurde Halt gemacht, um die Fahne abzuholen. Unter den Klängen des Norma-Marsches trat die Fahnensektion ein, der Hauptmann kommandierte: »Links – um! Vorwärts – marrrsch!« Thierfelder hob den Tambourstab, der Radetzkymarsch setzte ein und der Tambourstab flitzte und blitzte durch die pfingstsonnige Luft im Takte auf und nieder.
Als die Schützen an der Hauptwache vorbeizogen, stand dort die Wachmannschaft des achten Bataillons mit präsentiertem Gewehr und die Schützen erwiderten diese Ehrenbezeigung durch Schultern des Gewehres, während der Fahnenträger Burkhardt in verwegenster Weise die Fahne schwenkte.
Als der Zug an der Hauptwache vorbei war, ließ der Wachoffizier Graf Kameke abtreten, er selbst aber stellte sich an die Barriere, sein Gesicht verzog sich zu einem grinsenden Lachen: im letzten Glied der Schützen marschierte ein Mann, dessen Federstutz bei Schritt und Tritt einen Bogen von neunzig Grad beschrieb und dessen Bajonett bald mit dem des linken bald mit dem des rechten Nebenmannes zusammenklirrte.
Der Wackelfritze, über den er sich so belustigte, war der Schulhausmann Wetzel.
Der Schützenzug war von einer Schar jugendlicher Trabanten dicht umschwärmt. Zumeist waren es Schützensprößlinge, die ihres Vaters Schützenmütze in der Hand trugen. Ein barhäupt- und barfüßiger Junge trug sogar deren zwei.
Als nun die Musik schwieg, und nur die Trommeln rasselten, frug ein anderer, behäupteter und gestiefelter Junge den Barfüßler: »Wäm geheeren denn die zwee Mitzen eegentlich, die du nausträgst?«