»Die Aane gehärt men Voter« entgegnete der Barfüßler, »un die annere men Vetter Henner. Vun en Gedn« setzte er geschwätzig hinzu: »krieg ich en Dreier fersch Naustroong.«

»So? was koofst du dir denn draußen für deinen Sechser?«

»Dos waas ich salberscht noch net. Vielleicht, – vielleicht ene Brootworschtbriehsammel und e sauere Gork, oder e Ei un en Bittlich. – Kriegst du ah ewos fersch Naustroong?«

»Versteht sich! – ne halbe Bratwurscht,« bestätigte der Gestiefelte.

Da blitzte es neidisch und feindselig in den Augen des Barfüßlers auf. Rückwärts tretend verkrümelte er sich in die Menge und ehe er in derselben verschwand, rief er giftig: »Wenn dr när dr Hund de Brootworscht aus dr Pfut ruppet, du Aff du grußfrasseter!«

Es wäre vielleicht zu einer Verfolgung und zu einer Prügelei gekommen, hätte nicht die Musik wieder eingesetzt, zum zweiten, zum Lieblingsmarsch der Jugend und hundert helle Kehlen fielen mit ein in die Melodie: »Koch, koch Lindenthee, denn mir tut der Bauch so weh.« – –

Während sich nun der Zug allmählich dem Schießhause näherte, gingen draußen »unter den Linden« zwei würdige alte Herren auf und ab spazieren. Der eine davon war der Kauf- und Handelsherr Rupprecht, (infolge seines Spielwarenhandels unser Weihnachtsrupperich) der andere war dessen Hausgenoß der schwerhörige Tuchhändler Günther.

Als diese beiden Herren, abwärts schreitend in die Nähe der Reitbahn kamen, da hielt grade der Müller Heinrich die Lunte auf das Zündloch eines Böllers und »bauz« krachte es, daß es in den Bergen widerhallte. Rupprecht fuhr erschrocken in sich zusammen und blieb stehen. Günther aber drehte ihm mit freundlichem Lächeln das Gesicht zu und frug: »Was haste gesagt, Rupprecht?« Auf die abwehrende Geste Rupprechts setzte Günther hinzu: »De weest doch Rupprecht, ich häre e bischen schwer – da mußte schon e bissl lauter sprechen.« Da krachte ein zweiter Schuß, Günther schüttelte den Kopf und sagte: »Ich kann dich immer noch nich recht verstehen, Rupprecht, ich habe blos Bach verstanden. Meenst du den Bäcker Bach?«

Das Eintreffen der Schützen drunten am Schießhaus war jetzt Rupprecht ein willkommener Anlaß, aus der Nähe der Böller und über weitere Fragen Günthers hinwegzukommen. Er deutete mit der Hand hinunter, Günther nickte verständnisvoll mit dem Kopf und beide Herren gingen hinab, um sich das kriegerische Schauspiel anzusehen.