Hier erschollen wieder die Kommandos: »Halt! Rechts – um! Schulterts – Kepp! Präsentierts – Kepp!«

Unter den Klängen des Marsches aus Norma wurde die Fahne auf ihrem Ständer gehißt, die Wache zog auf und als dann endlich die Schlußkommandos: »Los! Tret' – ab!« erfolgten, dann gab es stöhnen, blasen und fauchen, die Mützenjungen traten in Funktion und nahmen die schweißtriefenden Schützenhüte, Gewehr und die Koppel mit dem Seitengewehr und der Patronentasche in Verwahrung.

Die Schützen aber rissen die Knöpfe des Waffenrockes auf, holten das blaurotgewürfelte Taschentuch mitsamt der Pfeife und dem Tabaksbeutel aus der Schößentasche und nachdem die Schweißperlen auf den Glatzen trocken gefummelt waren, wurde die schon zuhause gestopfte Pfeife in Brand gesetzt.

»Gott sei Dank, daß mr da sin!« stöhnte der eine und der Falke Gust jammerte: »Dan Dorscht, dan Dorscht!«

Bald füllte sich der geräumige Saal im »Alten Verein« wie auch das Schenkzimmer im alten Schießhaus und bald auch knallten die Büchsen im Scheibenstand.

Der Saalbau, mit seiner langen Front hoher Bogenfenster, ist in den achtziger Jahren abgebrochen worden. Er stand an Stelle des jetzigen Gartens und barg neben dem großen Saal noch ein geräumiges Vorzimmer und an der Rückseite eine Kegelbahn. Hier überall herrschte nun ein buntes, feuchtfröhliches Treiben beim althergebrachten Schützenmittwochs-Frühschoppen. Im Saale saßen an langen Tafeln, in bunter Reihe uniformierte und nichtuniformierte Schützen und erfüllten den Raum mit Lachen und Johlen, mit Bier-, Bratwurst- und Knasterdüften. Gute Witze wurden mit einem Tusch belohnt, schlechte aber charakterisierte, je nach dem Grad der Brenzlichkeit derselben, das Klappenhorn Meyers mit: Du bist der beste Bruder ah net, – oder – Schmeiß'n naus den Judenitzig.

Nun muß der Verfasser, wohl oder übel, seine eigene, damals noch recht unscheinbare, aber »nissige« Person ins Treffen führen, da sich jetzt Handlungen einschieben, in denen sie eine wenn auch nicht immer einwandfreie Rolle gespielt hat.

Nachdem ich meines Vaters Hut und Degen drüben in der Schenke der Frau Hirsch besorgt und aufgehoben hatte, pflanzte ich mich drinnen im Saal gegenüber von Vaters Klappenhorn, wie ein mahnendes Fragezeichen auf. Ich hatte meinen Opulus zu einer halben Bratwurst noch nicht bekommen und wußte recht gut, daß ich hier als lästiger Ohrenzeuge prompt abgefertigt werden würde. Aber, war es meines Vaters Kurzsichtigkeit, war es der fast schneidbare Tabaksqualm, mein Bratwurstappetit wurde auf eine harte Probe gestellt. Dabei hörte ich denn, wie mein Hoflieferant, der Reuther Bäck, lachend erzählte, wie er sich auf dem ganzen Marsch darüber geammesiert habe, daß dem Wenzel Schmied der Nasenputzer wie ein Fuchsschwanz hintenunter gehangen habe.

»Das hast du mir doch jedenfalls selber hinten rausgezong, denn du warst doch mei Hintermann!« schimpfte Wenzel, aber der Neumerkel beruhigte ihn mit den Worten: »Gab dich när zefriedn. Ich ho's gesah, wie'r drsch nooch un nooch rausgezerrt hoot. Ich ho's ah gesah, wie'r egal in sen Bort neigekichert hoot. Ich gelaab odr, er hätt net esu gelacht, wenn'r gewußt hätt, doß'n salber sei Schnupptichel un ah de Quastn vun sen Tobaksbeutel hintnnausgebaumelt sei.«