In das allgemeine Gelächter stimmte ich kräftig mit ein, nicht ohne Erfolg hatte ich mich dadurch meinem Vater bemerkbar gemacht und nun trug ich fröhlichen Sinnes meine zwölf Pfennige zur Frau Hirsch an den Schenktisch.
Eine Minute später konnte ich liebäugelnd meine, in ein »Pfengbrot« eingeklemmte halbe Bratwurst betrachten; doch – zwischen Lipp und Bratwurstzipfel – in dem Augenblick, wo ich den ersten ersehnten Biß tun wollte, da – pflanzte sich Bluth Antons Bluthund Pluto breitbeinig und zähneflätschend vor mir auf. Wie diese Bestie vor meiner Bratwurst, so standen die Worte des Barfüßlers plötzlich vor meiner Seele. Schnell ließ ich die Hand mit der Wurst hinter meinem Rücken verschwinden und wie sich nun der Bluthund mit der Zunge die Schnauze leckte, streckte auch ich ihm die Zunge heraus, fühlte aber zugleich, wie eine warme, feuchte Zunge hinten über meine Bratwurstfinger strich und wie denselben Wurst und Semmel entglitt. – Ein anderer Köter hatte mir sie aus der Pfut geruppt. – Ich sah nur noch die lebendige Illustration zu dem Liede: »Wenn der Hund mit der Wurst übern Eckstein springt«, draußen vor der Türe.
Ein freundlicher, mitleidiger Herr, den die Schießhauswirtin mit: »Herr Pursch« anredete und der den Vorgang lachend mit angesehen hatte, kaufte mir eine ganze Bratwurst und so war ich bald, dem gesättigten Löwen gleich, mit Hund und Barfüßler versöhnt. – Der Letztere hat übrigens seinen Beruf als Profet verfehlt, er ist Prolet geworden und da ihm schon lange kein Zahn mehr weh tut, kann er auch keine »saure Gork« mehr essen.
Als ich hinaus trat, in den sonnigen Vormittag, fiel mein erster Blick auf den Wachtposten, der vor dem Fahnenständer, dem Trommelbock und den Gewehren auf- und abschritt und dabei mit seinem Federbusch derartige Schwenkungen machte, daß ich sofort in ihm den Schulhausmann Wetzel erkannte. Ich grüßte ihn pflichtschuldigst. Freundlich grüßte er wieder: »Morring Klaaner. Du bist doch dr klaane Meyer – Du kast mr en Gefalln tu. Gieh emol nieber in de Wach un soog, ne Posten dohausn tät de Zung ene halbe Ehl zun Hals raushänge.«
Ich sprang hinüber und richtete es wortgetreu aus, aber der Korporal Richter meinte: »Ach wos! dar soll wartn bis 'r ohgelöst werd.« Der Schneider Windsheimer, der mein Leibschneider war, winkte mich zu sich heran und gab mir ein leeres Glas in die Hand. »Das läßte« sagte er »dortn an Bottich vollloofn, da kann er seinen Dorscht dran löschen.«
Da wo jetzt der Eingang zum Keglerheim ist, da war der Wasserbottich, an dem ich das Glas mit perlfrischem Wasser füllte.
Hätte ich nun einem wütenden Stier ein blutrotes Tuch vorgehalten, zornigere Augen hätten mich nicht anfunkeln können, als die des Wetzel, als ich mit dem Glase Wasser daherkam.
»Hullunk, elendiger!« schrie er mich an: und packte sein Gewehr mit beiden Fäusten am Ende des Laufes. »Kumm mr net ze nah, odr ich schloog dich ze Brei!« – Da erscholl drüben vom Wachhause her infernalisches Gelächter. Die gesamte Wachmannschaft stand vor der Tür; ein Jeder hielt in der einen Hand eine volle Stange Bier und mit der anderen hielt er sich den Bauch.