Sofort entlud sich Wetzels Zorn nach dieser Seite: »Inu ihr Lumpn! ihr Sauhind! – ihr zutscht do driem de ganze Sprengstütz Bier aus un iech soll Wasser saufn? – Pfoi Teifl! schamt eich!« Als nun auch noch von drüben prost! prost! prost! gerufen wurde, da verließ Wetzel vorschriftswidrig seinen Posten und das Gewehr hinter sich herschleifend und lästerlich schimpfend trieb er die Schützen in das Wachtlokal hinein.

Es dauerte eine geraume Zeit bis Wetzel wieder zum Vorschein kam. Seine Rechte umklammerte ein schon zur Hälfte geleertes Stangenglas, das er nun in aller Gemütsruhe vollends leerte und dann ins Gras warf.

Als er auf Posten zurückgekehrt war, strich der Fischer Heinrich vorbei und zog den Hut. »Morring Herr Wetzel! Heite weeß mr doch gar nich wie der Wind weht? – Ihr habt wohl eire Fahne in der Wäsche, oder amende gar versetzt?«

»Unnere Fahn? – do … – stitt se doch« wollte Wetzel sagen, aber der Mund blieb ihm sperrangelweit offen und erst nach einer Weile klappte er ihn hörbar wieder zu, dann kam ein Bumben un Granatndunnerwetter zum Ausbruch und endlich rief er die Wache heraus: »De Fahn is gemaust«!

Wer nun glaubte die Mannschaft käme über Kopf und Hals gestürzt, der irrte gewaltig. Die trank zunächst sämtliche Gläser leer und bis die Röcke zugeknöpft und das Seitengewehr umgeschnallt war, verging eine geraume Zeit, in der Wetzel den Fischer Heinrich ausfragte und als nun drei Mann zur Stelle kamen, konnte er berichten, daß der oder die Diebe hinauf nach den Scheunen zu geflüchtet seien. Wer der Fahnendieb war, konnte nicht ermittelt werden. Ich aber hatte den Vorgang aus nächster Nähe mit angesehen und während die Schützen den Berg hinauf eilten, sprang ich auf der anderen Seite den Berg hinunter und drüben wieder hinauf, zum – Gerichtswäldchen. Dort angekommen, sah ich die Fahne, an der ein langes Seil befestigt war, im Moose liegen, während der Fahnendieb sich vergeblich bemühte, am Stamm einer Fichte empor zu klettern.

»Lassen Sie mich nauf Herr Rusrat« rief ich: »ich kann besser klettern als Sie!«

»Rusrat?? – wie kaste denn Rusrat zu mir saang – weeste nich wie ich hees? Kannste denn danauf klettern? die Ficht is hoch!«

»Mir is kee Boom ze hoch un auf der Ficht bin ich schon öfters gewesen.«

»Nu da strampel emal los, nimm das Strickend mit nauf, da ziehste dann de Fahne drmit nauf un bindst se drohm fest.«