Mir blieb jetzt nichts anderes zu tun übrig, als geduldig warten.

An meiner Steuerbordseite lag mein Dampfer. Ich wollte abwarten, bis wieder Stauwasser eingetreten war, um dann herüberzuwriggen. Innerlich frohlockte ich schon vor lauter Übermut, als schnell der nötige Dampfer kam. Der Morgen fing an zu grauen, immer heller traten die Umrisse der verankerten Schiffe hervor, endlich ging die Sonne auf, und immer noch rauschte das Wasser so kräftig an mir vorbei, daß an ein Fortkommen für mich nicht zu denken war. Die Flucht war sowieso in dieser Nacht unmöglich. Glücklich aber, daß ich wenigstens das lang gesuchte Boot besaß, ließ ich mich mit dem letzten schwachen Ebbstrom stromabwärts gleiten, und nach zirka einer Stunde machte ich an einer alten zerfallenen Brücke am rechten Themseufer fest. Mein Boot versteckte ich unter der Brücke, die beiden Riemen nahm ich zur Vorsicht mit an Land und verstaute sie im hohen Gras. Dann legte ich mich selbst in die Nähe und beobachtete. Um acht Uhr früh rauschte mein Dampfer stolz an mir vorüber. Es war die „Mecklenburg”. Nun kam noch eine harte Geduldsprobe. Sechzehn Stunden blieb ich im Grase liegen, bis abends um acht Uhr die Befreiungsstunde schlug.

Da bestieg ich wieder mein Boot. Vorsichtig ließ ich mich durch die eben einsetzende Flußströmung wieder stromaufwärts treiben und machte am selben Leichter fest, an dem ich die Nacht vorher gestrandet war. Querab von mir, nur fünfhundert Meter entfernt, lag die „Prinzeß Juliana” an ihrer Boje.

Jetzt hatte ich Zeit, legte mich lang in das Innere meines Bootes und versuchte vergebens ein Nickerchen zu machen. Der Flutstrom schwoll, und bald war ich wieder von brausendem Wasser umgeben.

Nachts um zwölf Uhr wurde es still um mich herum, und als um ein Uhr das Boot ruhig im Stauwasser schlingerte, warf ich los, setzte mich achtern dwars in mein Boot und wriggte in größter Gemütsruhe, als wenn ich mich auf einer Sonntagspartie im Kieler Hafen befände, zum Dampfer.

Unbemerkt gelangte ich an die Festmacherboje.

Haushoch türmte sich über mir der scharfe schwarze Vorsteven meines Dampfers. Ein kräftiger Ruck, und oben war ich auf der Boje. Nun gab ich meinem treuen Schwan einen tüchtigen Fußtritt, und schnell wurde der von der eben wieder einsetzenden Ebbströmung stromab geführt. Mäuschenstill lag ich mehrere Minuten auf der Eisentonne. Dann kletterte ich, von eiserner Ruhe erfüllt, wie eine Katze an der mächtigen Stahltrosse zur Klüse empor. Vorsichtig steckte ich den Kopf über den Wassergang und spähte.

Die Back war leer.

Ein kurzes Aufstemmen, und oben war ich.