Daß wir uns alle sehr glücklich fühlten, kann ich nicht behaupten. Ganz im Gegenteil. Immer und immer wieder sagten wir uns: „Nun sitzen wir hier in dem fernen Tsingtau, zu Hause da sind unsere Brüder, unsere Kameraden; die Glücklichen dürfen die wunderbaren Tage der Mobilmachung miterleben, sie dürfen ausziehen gegen eine Welt von Feinden, sie dürfen unser heiliges geliebtes Vaterland, dürfen Weib und Kind verteidigen, und wir Armen sitzen hier und können nicht helfen!”
Schon der Gedanke, wie es in diesen Tagen zu Hause aussähe, konnte uns rasend machen. Denn das wußten wir: Die Engländer, Russen und Franzosen, die uns hier draußen an Zahl weit überlegen waren, würden nicht den Mut finden, uns hier anzugreifen.
Und doch hatten wir immer wieder den einen Funken von Hoffnung: Sie kommen doch noch!
Ach, wie hätten wir die empfangen!
An Japan dachte selbstverständlich niemand!
In all der Arbeit der Mobilmachungstage wurden unsere Gäste nicht vergessen. Sie waren zwar fast alle unsere Feinde, aber sie blieben unsere Gäste.
Die Aufregung unter ihnen ist wohl begreiflich. Vor allen Dingen, da bereits Nachrichten über die geradezu bestialische Behandlung der Deutschen durch die Engländer in den englischen Kolonien zu uns kamen.
Daß unser Verkehr mit den Fremden abgebrochen wurde, war selbstverständlich, aber ebenso selbstverständlich war auch, und das möchte ich an dieser Stelle ganz besonders den Engländern gegenüber hervorheben, daß die vielen Angehörigen der feindlichen Staaten mit einer Rücksicht behandelt wurden, wie es eben nur bei uns „Barbaren” möglich war.
Den Fremden wurde bekanntgegeben, daß sie sich nach Belieben weiter in Tsingtau aufhalten oder aber abfahren könnten, ohne irgendwelchen Zwang, und daß das Gouvernement rechtzeitig ankündigen würde, wenn alle Fremden die Kolonie räumen müßten. Verlangt wurde nur, daß keiner das Stadtgebiet verließe und niemand sich mehr den Befestigungen näherte oder Spionage triebe. Man halte sich hiergegen das Benehmen unserer lieben Vettern in Hongkong und in so vielen anderen Orten der Welt vor Augen!
Die, die es miterlebt haben, könnten Bände darüber schreiben.