Der Befehl: „Drohende Kriegsgefahr!”, der am nächsten Tage eintraf, brachte endlich Gewißheit.

Und dann kam der erste August, die Mobilmachung wurde befohlen. Der zweite August brachte die Kriegserklärung gegen Rußland und der dritte die gegen Frankreich.

Diese Tage zu beschreiben, ist kaum möglich.

Man stelle sich bloß vor: Hier war deutsche Kolonie, deutsche Festung, der größte Teil der Tsingtauer waren Offiziere und Soldaten. Dabei war Tsingtau aber in seinem äußeren Gepräge international geworden. Russen, Franzosen und Engländer befanden sich als Gäste mitten unter uns. Es war ein Gegeneinanderwogen von Meinungen und Gefühlen, ein Zustand, wie er wohl kaum wo anders auf der Welt angetroffen werden konnte.

Die Hauptfrage, ich möchte sagen, die Frage, die uns alle beschäftigte, war: Gibt es Krieg mit England?

Nur der, der im fernen Osten gelebt hat, wird ermessen können, was diese Frage bedeutete.

Am zweiten August wurde gerade unser Angebot an England bekannt, ich ritt am selben Tage mit einer englischen Dame spazieren, und es war nur selbstverständlich, daß dieses Thema unsern Hauptgesprächsstoff bildete. Die Ansicht meiner Begleiterin deckte sich mit der all ihrer Freunde und Freundinnen, daß ein Krieg zwischen England und Deutschland undenkbar wäre, sonst würde auch besonders im fernen Osten das Prestige der weißen Rasse vorüber sein und der gelbe Japs lachend die Früchte unserer Zwietracht einheimsen können.

Auch uns Deutsche beschäftigte selbstverständlich nur dieser eine Gedanke, und besonders bei uns Seeoffizieren war von nichts anderem mehr die Rede. Eine Spannung, schlimmer als vor und während der ersten Mobilmachungstage, beherrschte uns. Und wie eine Erlösung kam für uns alle am vierten August die Nachricht:

Der Krieg gegen England ist erklärt!

Nun waren also in Europa die Würfel gefallen.