Tsingtau macht klar zum Gefecht!”

Nun wußten wir, woran wir waren!

Über die Art und Schwere des Kampfes und über seine Aussichten waren wir uns klar, aber wohl nie ist freudiger und unermüdlicher gearbeitet worden. Eine Titanenarbeit wurde in diesen Wochen vollbracht. Und vom ältesten Offizier bis zum jüngsten fünfzehnjährigen kriegsfreiwilligen Automobilfahrer setzte jeder sein ganzes Können und sein ganzes Denken, seine ganze Vaterlandsliebe darein, Tsingtau in den Verteidigungszustand zu setzen.

Ich selber hatte bereits besonderes Pech gehabt. Drei Tage nachdem Müllerskowski abgestürzt war, startete ich bei herrlichstem Sonnenschein zu meinem ersten großen Erkundungsfluge und kehrte, nachdem ich das ganze Schutzgebiet und Hunderte von Kilometern darüber hinaus aufgeklärt hatte, froh der getanen Arbeit, nach Tsingtau zurück.

Ich war tausendfünfhundert Meter hoch, und die Landung war infolge der Luftverhältnisse ganz besonders schwierig. Als ich mitten über dem Platze in ungefähr hundert Metern Höhe noch mal Vollgas gab, um die letzte Runde zu fliegen und dann gegen den Wind zu landen, sprang der Motor eine Sekunde lang wieder voll an, fing aber im selben Moment an zu spucken und versagte ganz. Nur Sekunden brauchte ich, um meine Apparate nachzusehen, aber die genügten, daß die Maschine bereits so weit war, daß an ein Landen auf dem Platze nicht mehr zu denken war.

Auch nach rechts oder links konnte ich nicht abdrehen. Rechts war das Poloklubhaus und ein tiefer Graben, links das Strandhotel und die Villen.

Daß nichts mehr zu machen war, wußte ich, und nur eins dachte ich: Halte den Motor heil!

Vor mir war ein kleines Wäldchen, und da hinauf hoffte ich die Maschine noch setzen zu können. Ich zog das Höhensteuer, aber in der heißen dünnen Tropenluft sackte die Maschine wie ein Klotz schwer durch. Ich kam mit dem Kopf gerade noch an Telegraphendrähten klar, dann zog ich die Knie an und stützte unwillkürlich die Füße nach vorn ab, und schon gab es einen mächtigen Stoß, ich hörte Krachen und Splittern um mich herum und flog mit Kopf und Knien recht unsanft gegen den Benzintank. Dann war es still.

Und als ich mich, selber heil und gesund, im Kreise umsah, da lag meine Taube mit der Nase im Straßengraben, streckte das Schwänzchen hoch in die Luft, und die Flügel und das Fahrgestell bildeten ein Knäuel von zerbrochenen Holzstreben, Leinwand und Drähten.

Ach, mein armes Täubchen! Ausgerechnet am dritten Tage der Mobilmachung ließ es mich im Stich. Mir war ganz unsäglich hoffnungslos zumute. Ohne jedoch den Mut ganz sinken zu lassen, schaffte ich die Trümmer in den Schuppen. Ich hatte ja noch Reservepropeller und Reservetragflächen von Hause mitbekommen.