Es war entsetzlich, unfaßbar! Wie ein Verbrecher wurde man hier entlang geführt, und wie Verbrecher wurden wir von der Bevölkerung, an der wir vorbeigehen mußten, angesehen. Die Soldaten trieben uns zur Eile an. Ich war schwach zum Umsinken, da ich das Fieber noch nicht ganz überwunden und seit drei Tagen außer Chinin nicht das geringste in den Magen bekommen hatte. Die Sonne brannte auf die Felswände herab, und dann der seelische Zustand, die Hoffnungslosigkeit!

Trostlos!

Immer höher ging's durch schmale, erhitzte Gassen, bald verschwanden die Häuser unter uns, steile, nackte Felsen an beiden Seiten. Nach einer Stunde hatten wir die höchste Spitze des Gibraltar-Felsens erreicht. Kommandorufe erschollen, Drahthindernisse und eiserne Tore wurden geöffnet, dumpf schlugen sie wieder ins Schloß, Ketten und Riegel klirrten.

Gefangen!

Nun wurden wir zuerst zur Polizeiwache gebracht und einem Verhör unterzogen. Ich protestierte energisch und verlangte, umgehend vor meinen Konsul geführt zu werden, wie mir von dem englischen Offizier ausdrücklich zugesichert war. Ein bedauerndes Lachen war die Antwort. Ach, wir waren ja nicht die ersten, die so heraufgebracht waren und dasselbe Ansinnen gestellt hatten. Wie unendlich viele haben wohl hier oben gestanden und endgültig ihre Hoffnungen begraben müssen!

Jetzt begann die körperliche Untersuchung.

„Hat jemand von den Gefangenen Geld bei sich?”

Keiner antwortete selbstverständlich. Wir mußten uns ausziehen, und jedes Kleidungsstück wurde eingehend auf Geld, Doppelgläser, Photographenapparate und besonders auf Schriftstücke untersucht. Ich kam als dritter an die Reihe, mein Hemd durfte ich anbehalten.

„Haben Sie Geld?”

„Nein!”