Hier hinein verkrochen sich Trefftz und ich.

Ein kurzer Abschied noch von S., der uns mit Gartenstühlen zudeckte, und wir waren allein.

Nun konnte nur noch die Vorsehung und unser Glück für uns weitersorgen.

In atemloser Spannung warteten wir. Die Minuten wurden zu Ewigkeiten, doch langsam und sicher verstrich eine Stunde nach der anderen. Als die Turmuhr laut und vernehmlich sechs Uhr schlug, klopfte uns gewaltig das Herz. Wir hörten, wie zur Musterung geklingelt wurde, das Kommando „Stillgestanden!”, dann wurde mit lautem Geräusch das Drahthindernis der Taggrenze geschlossen. Bange Viertelstunden durchlebten wir. Wir wagten überhaupt nicht zu atmen. Jeden Augenblick erwarteten wir, bei unseren Namen gerufen zu werden. Es wurde sechs Uhr dreißig, nichts ereignete sich. Ein Alp wich von unseren Herzen. Gott sei Dank, der erste Akt war geglückt. Denn nachdem bei der Musterung bei unseren Namen wiederum „krank” gemeldet war und die Offiziere wegtreten durften, liefen ein Kamerad für mich und ein anderer Kamerad für Trefftz so schnell wie möglich hinten ums Gebäude herum und legten sich in unsere Betten. Und als der Feldwebel kam, konnte er zufrieden feststellen, daß die beiden Kranken anwesend wären. Da also alles in Ordnung war, wurde wie an jedem Abend das Nachthindernis geschlossen, ja sogar die Posten vom Taghindernis eingezogen, und damit waren wir uns selbst überlassen. Der außerordentliche Regen kam uns sehr zu statten, denn sonst pflegten die englischen Soldaten abends in unserem Park herumzutollen, wobei ein Entdecktwerden sehr leicht möglich gewesen wäre.

Stunde um Stunde verrann. Stumm lagen wir da, nur ab und zu stießen wir uns gegenseitig an und nickten uns zu vor Freude, daß bis jetzt alles so gut geklappt hatte.

Um zehn Uhr dreißig abends wuchs unsere Erregung aufs äußerste. Die zweite Probe mußte bestanden werden. Deutlich hörten wir das Signal zum Schlafengehen, und aus dem geöffneten Fenster meines früheren Zimmers erscholl kräftig „Die Wacht am Rhein”. Das war das Zeichen für uns, daß alles auf dem Posten wäre.

Der wachthabende Offizier mit einem Sergeanten schritt sämtliche Stuben ab und überzeugte sich, daß keiner fehlte. Durch wochenlange Beobachtungen hatte ich festgestellt, daß die wachthabenden Offiziere stets denselben Weg wählten, um nach der Ronde auf dem kürzesten Wege in ihre Behausungen zu gelangen. So war es auch heute. Die Ronde fing in dem Zimmer an, wo Trefftz fehlte. Es war selbstverständlich, daß ein anderer bereits in dessen Bett lag.

„All present?”

„Yes, Sir!”

„All right, good night, gentlemen!”