In einer elenden Bar, in der ich mich etwas stärken wollte, bekam ich nur warmen Stout und nur noch eine einzige Rolle Keks. Alles andere war vertilgt. Und als auch in der Bar Feierabend geboten wurde, saß ich wieder auf der Straße. Ich bog in eine der vornehmsten Alleen ein, wo prächtige Paläste von schön gepflegten Vorgärtchen umgeben waren. Ich konnte mich kaum noch auf den Beinen aufrecht halten, und als die Luft rein war, sprang ich schnell entschlossen über einen dieser Gartenzäune und hatte mich kurz darauf in der dichten Buchsbaumhecke, nur einen Schritt vom Bürgersteig entfernt, verkrochen. Meine Gemütsstimmung läßt sich nicht beschreiben. Wild hämmerten mir die Pulse, und wild jagten sich die Gedanken in meinem Hirn. In meinen Gummimantel gehüllt, wie ein Dieb zusammengekrochen, lag ich in meinem Versteck.
Wenn man mich jetzt hier fände, in dieser Lage, mich, einen deutschen Offizier? Wie ein Verbrecher kam ich mir vor. Und im Inneren war ich fest entschlossen, nie jemand etwas von der unwürdigen Lage, in der ich mich befand, zu erzählen. Ach, hätte ich den Abend schon gewußt, wo ich mich zwei Tage später nächtelang herumtrieb, und das dabei sogar ganz natürlich fand, ich wäre hoffnungsvoller gewesen.
Als ich ungefähr eine Stunde in meinem Versteck lag, öffnete sich in meinem Hause die große Flügeltür einer herrlichen Veranda, und mehrere Damen und Herren in tadelloser Abendtoilette traten heraus, um die prachtvolle Abendluft zu genießen. Von meinem Versteck aus konnte ich alles beobachten und jedes Wort verstehen. Nach einiger Zeit wurde drinnen ein Flügel angeschlagen und bald ertönte ein prachtvoller Sopran, und wunderschönste, sehnsuchtsvolle Schubertlieder zerwühlten meine Seele.
Endlich übermannte mich die gänzliche Erschlaffung, und wie ein Toter schlief ich ein, in meinen Träumen von schönsten Zukunftsbildern umschwebt.
Der gleichmäßige feste Tritt eines Polizisten, der auf der Straße, nur einen Schritt von mir getrennt, auf und ab ging, und die hell strahlende Sonne weckten mich am nächsten Morgen auf. Also hatte ich doch die Zeit verschlafen; nun Vorsicht! Stumpfsinnig pendelte der Polizist auf und ab, er wollte nicht weichen. Endlich kam das Glück. Ein allerliebstes Kammerzöfchen öffnete die Türe, und schon war mein Polizist bei ihr und schäkerte vertraulich mit dem taufrischen Käfer.
Ohne von beiden gesehen zu werden, war ich mit einem Satz über den Zaun und auf der Straße. Es war schon sechs Uhr früh und der Hydepark gerade geöffnet worden. Da noch keine Untergrundbahn fuhr, ging ich in den Park und legte mich lang auf eine Bank zu mehreren anderen Vagabunden, die es sich dort bereits bequem gemacht hatten. Dann zog ich den Hut übers Gesicht, und fest schlief ich bis neun Uhr weiter.
Frisch gestärkt mit neuem Mut bestieg ich die Untergrundbahn und fuhr zur Hafengegend. Am „Strand” erweckten riesige gelbe Plakate meine Aufmerksamkeit.
Und wer beschreibt mein Staunen, als ich darauf dick und fett gedruckt las, daß:
1. Mr. Trefftz bereits am Abend vorher gefangengenommen worden war und,
2. daß Mr. Plüschow „still at large” sei, aber,