Um diese Worte sagen zu können, war sie stundenlang ringend dagelegen. Und als sie sie gesagt hatte, sank sie in Ruhe zurück. Es war Friede über ihren Zügen. Sie wünschte nichts mehr, verlangte nichts mehr. Sie hatte ihre Rechnung mit der Welt abgeschlossen, als sie, bevor sie starb, gesagt hatte, wie sehr sie die Knaben und mich liebte.
Ein paar Stunden später hatte sie die Augen geschlossen. Es geschah ohne Todeskampf, stille und ruhig, so wie wenn ein Licht herabgebrannt ist.
Sie lebte ihr eigenes Leben und starb ihren eigenen Tod.
Sie war so schwach, daß sie keinen Todeskampf hatte. Sie hatte vorher lange genug gekämpft.
Aber sie war stark genug, um uns, bevor sie ging, ein Wort zu schenken, an das wir uns erinnern und von dem wir leben konnten. Ihre Liebe war stärker als der Tod.
Segen über sie!
13.
Ich öffnete den Brief, der zu oberst in der kleinen Kommode meiner eigenen Kindheit dort drinnen in Svens Heiligtum lag. Da las ich dieses:
„Ich habe so oft vom Sterben gesprochen, aber einmal wird es ja doch geschehen. Wer dieses Blatt zuerst findet, soll es Dem oder Denen zeigen, die mein Begräbnis anordnen werden. Oh Gott, wenn ich dieses Wort niederschreibe — wäre ich so nahe dem Grabe, wie das Wort dem Papier. Ich wollte ja für Geliebte leben, die mehr für mich gethan haben, als Menschen für einen Anderen thun, und ich versuche, so gut ich kann. Aber wenn es nicht gelingt — und es ist mir so zu Mute — dann möchte ich in mein weißes Kleid gekleidet werden. In meiner untersten Kommodenlade ist all das Linnen, das Nenne, mein Engel, benützte. Aber gebt es mir mit. Laßt so viel von dem, was sein ist und in meinem Sarge Platz hat, mit hineinkommen. Auch auf seinen harten, kleinen Spielsachen werde ich weich liegen. — —
Ein letzter Wunsch noch. Sterbe ich zuhause, so versucht, wenn es möglich ist, mich in Nennes Zimmer aufzubahren.