„Du darfst mich nie, nie fühlen lassen, daß Etwas zwischen mir und Dir alt und gewohnt geworden ist. An dem Tage, wo das geschieht, will ich sterben.“

Wie viele Frauen haben nicht dasselbe gesagt, und wie Viele haben nicht gelebt, um nachher über ihre eigenen Worte zu lächeln! Ich habe einmal von einer Frau gehört, die zu einem Manne sagte:

„Glaubst Du nicht, daß es einige Frauen geben kann, die das fühlen, was alle Frauen sagen?“

Ich erinnere mich, daß dies mir bei den Worten meiner Frau in den Sinn kam und daß ich in dem Gefühl ihrer Wahrheit zur Antwort nur ihre Hand drückte. Ich begriff, daß das, was sie gesagt, ihr tiefster Ernst war, und ich wußte, daß hier das Wort Sentimentalität nicht am Platze war. Aber ich sah auch, daß sie ein Wort von mir erwartete, das ihr etwas sagte, und darum antwortete ich:

„Glaubst Du nicht, daß etwas alt und gewohnt werden kann, ohne darum an Stärke, Freudigkeit und Heiligkeit einzubüßen?“

Sie sah mich mit großen Augen an, als wollte sie auf den Grund meiner Seele sehen. Dann ging sie auf mich zu und küßte mich, und ich merkte, daß ihre Augen feucht waren, während ich fühlte, wie ihre ganze Gestalt sich zu der meinen neigte, in einer einzigen großen Zärtlichkeit.

„Laß es dann alt und gewohnt werden,“ sagte sie. „Ich sehne mich darnach, daß es so wird.“

Nicht ein Wort mehr wurde gesprochen. Aber den ganzen Tag sah ich, daß sie wie in stillem, stummem Jubel umherging. Am Nachmittag war sie draußen im Garten, und ich hörte von meinem Fenster, daß sie allein sang, mit vollen, glockenreinen Tönen.

Nach einer Weile kam sie mit einem kunstvoll gebundenen Strauß von Wiesenblumen herein, in dem die Flora des Sommers sich mischte, wie die Töne in einem Lied. Sie stellte ihn ohne ein Wort auf meinen Tisch und lächelte still, um meine Arbeit nicht zu stören. Dann setzte sie sich selbst ein Stück weit weg, und während ich schrieb, blickte ich zuweilen auf, nur um sie anzusehen. Die Abendsonne färbte ihr dunkles Haar und spielte in den Farben ihres Antlitzes, das stets neu war, niemals sich gleich.

3.