Die Knaben kamen herein, um Gutenacht zu sagen. Wir küßten sie Beide, und wir sahen ihnen nach, wenn sie gegangen waren. Aber kein Wort wurde gesprochen, und wenn ich meinen Kopf wieder nach der Richtung wandte, wo meine Frau saß, fühlte ich, daß sie weinte, aber ich hörte es nicht. Wir hätten nicht unglücklicher sein können, wenn Eines von uns oder wir Beide ein dunkles Geheimnis zu verbergen gehabt hätten. Und doch wußten wir Beide, daß es kein solches gab.

„Bist Du unglücklich mit mir, Elsa?“ fragte ich sie.

Und zur Antwort hörte ich sie schluchzen, wie in höchster Angst:

„Wenn ich Dich nicht hätte, glaubst Du, daß ich da leben könnte?“

5.

Wie lange diese Zeit währte, kann ich mich nicht mit Bestimmtheit entsinnen. Ich weiß nur, daß ich mich ihrer wie eines einzigen entsetzlichen Winters ohne Schnee erinnere, eines langen, dunklen Strichs in unserem Leben, das mich leer und ohne Sinn dünkte. Nachher habe ich den Tod das Teuerste, was ich besaß, aus meinen Armen reißen sehen, ich sah Freunde sterben, ich habe mich von Allem verlassen gefühlt, wofür ich geistig sterben oder leben wollte. Aber etwas, das sich mit diesem Winter vergleichen läßt, habe ich niemals erlebt, denn damals glaubte ich, daß Elsa im Begriffe stand, von mir fortzugleiten, und dieser Gedanke war mir furchtbarer als irgend etwas, das andere Menschen mir zufügen konnten oder das mich überhaupt im Leben zu treffen vermochte.

Diese Zeit war so bitter, weil ich damals das einzige Mal in meinem Leben in meinem Herzen hart gegen sie wurde, und ich wurde es, weil ich es nicht besser verstand. Ich kam schließlich dazu, mich in mich selbst zurückzuziehen so wie sie, denn der Gram beherrschte mich; endlich bekam der Gram Stimme, und die harten Worte zitterten in der Luft um uns.

Eines Tages fand ich sie in Thränen, und mit einer Stimme, die nicht mehr meine war, rief ich aus:

„Wie lange glaubst Du, daß ich das aushalten werde?“

Im selben Augenblick, in dem ich es gesagt, bereute ich meine Worte, und niemals werde ich den Ausdruck des Schreckens vergessen, der ihr ganzes Antlitz versteinerte.