„Was meinst Du?“ sagte sie.
„Das, was ich sage.“
Es war, als hätte ein böser Geist, den ich nicht zügeln konnte, durch meinen Mund gesprochen. Alles, was ich gelitten, stieg in mir empor, als wolle es mich ersticken, und ich empfand es als einen Triumph, daß ich ihr wehe gethan.
„Gehe doch,“ sagte sie, „gehe von mir. Warum bist Du je zu mir gekommen?“
Sie weinte nicht, als sie ging. Aber mitten durch meinen Zorn fühlte ich, daß ich ihr mit meinen unüberlegten Worten einen Schmerz zugefügt, so groß, daß ich selbst nie einen ähnlichen gefühlt hatte, noch fühlen werde. Aber ich schüttelte diesen Gedanken ab und verschanzte mich hinter dem beschränkten Hochmut, der den Menschen dazu bringt, ein Unglück nicht abzuwehren, sondern nachzurechnen, wessen Schuld es ist.
„Es ist ihre Schuld,“ sagte ich zu mir selbst, „wenn unser Glück vorüber ist. Was habe ich gethan, daß sie unglücklich sein und mich dadurch quälen muß, daß sie mir die Ursache nicht sagt? Sie liebt mich nicht mehr. Das ist ja der Lauf der Welt. Was schön ist, muß verunstaltet werden. Wer glücklich ist, darf es nicht lange bleiben.“
Hinter solchen Gedanken verbarg ich mein wirkliches Empfinden, das die ganze Zeit über von ihr erfüllt war. Ich glaubte, daß ich ein Recht zu grollen hätte, und ich fand, daß das, was ich gesagt, noch eine härtere Antwort erhalten hatte, als die Worte selbst verdient hatten.
6.
Diese Zeit war die einzige, in der unser Glück wirklich hätte untergehen können, und ich glaube, daß wir Beide gleich stark die Empfindung hatten, daß schicksalsschwere Mächte mit unserem Leben spielten. Ein ganzer Tag verging, während dessen kein Wort zwischen uns gewechselt wurde. Aber am Abend, als wir zur Ruhe gehen sollten, fielen wir einander in die Arme und weinten, ohne sprechen zu können.
Dann wurde alles wie zuvor. Aber die Frage, die mich verzehrte: „Was ist es, was kann es sein?“ war und blieb unbeantwortet. Doch war ich ruhiger, fühlte Reue über meine unausgesprochenen Gedanken und wartete zugleich gewissermaßen auf eine Lösung.