„Hast Du gemerkt,“ sagte mir meine Frau eines Morgens, „daß ich froher bin als früher und daß ich nie mehr weine?“

Ich hatte es gemerkt. Aber undankbar wie ein Mensch ist, der eben einer Gefahr entgangen ist, die er nicht verstanden hat, hatte ich die Veränderung genossen, ohne darüber nachzudenken.

„Weinst Du vielleicht, wenn Niemand Dich sieht?“ fragte ich.

Und ich fühlte einen Schatten meines alten Mißtrauens in mir erwachen.

Aber meine Frau merkte es nicht. Sie stand vor mir so strahlend jung, als hätte keine Wolke ihre Stirne verdunkelt. Und um ihre Lippen spielte ein Lächeln, das ich schon einmal gesehen zu haben meinte. Ich konnte mich nur nicht erinnern, wann.

„Ich weine nicht mehr,“ sagte sie.

Und ihre Stimme hatte einen fast herausfordernden Klang, als sie hinzufügte:

„Das ist auch mein Geheimnis.“

Ich folgte ihrer Stimmung, ohne ihre Worte zu verstehen. Ich war zufrieden und glücklich in dem Gefühl, daß das Leben uns wieder lächelte.

Diese ganze Periode ließ in unserem Zusammenleben keine andere Spur zurück, als daß dieses noch inniger und gleichsam behutsamer wurde, als je zuvor. Ich kann nicht mehr sagen, in welcher Weise ich diese wunderliche Paranthese in einer glücklichen Ehe mir selbst zu erklären versuchte. Gewiß ist, daß ich damals weit entfernt war zu ahnen, daß sie den Keim zu der Tragik einer ganzen Zukunft barg.