„Es ist fertig.“
Sie lächelte mir zu, und es lag eine Welt von Glück in ihrer Stimme, als sie antwortete:
„Er schläft so ruhig. Es kann nicht gefährlich sein.“
Ich ging von ihr und versank eine Weile später in einen totenähnlichen Schlaf.
17.
Bevor der nächste Tag verstrichen war, wußten wir, daß es keine Hilfe gab und daß der kleine Sven sterben mußte. Die Gewißheit war wie ein schwerer Schlag über uns hereingebrochen, denn die ganze Zeit vorher hatten wir gehofft. Wir standen im Vorzimmer, die beiden Aerzte stumm und ernst, meine Frau die Augen auf ihre Züge gerichtet, als glaubte sie, daß sie noch nicht ihr letztes Wort gesprochen hatten. Ich sah sie Alle an, während ich den Arm um meine Frau legte, um zu versuchen, sie an mich zu ziehen, und ich bemerkte, wie es in dem gefühlvollen Gesichte unseres Freundes, des Doktors, zuckte. Der Professor sprach sachte und mit leiser Stimme, so als kostete ihn jedes Wort eine Ueberwindung. Ich fühlte nichts Anderes, als daß das Unausweichliche gekommen war und daß ich mich stählen mußte, um es ertragen zu können. Aber mit einem Druck meiner Hand, in dem ich ihren ganzen Schmerz fühlte, machte sich meine Frau aus meinem Arm los, der um ihre Taille lag, und indem sie ihre Hände rang, so daß man buchstäblich die Knochen knacken hörte, rief sie aus:
„Sagen Sie, daß noch Hoffnung ist. Sagen Sie es.“
Die beiden Männer wichen ihrem Blick aus, aber da richtete sich das junge Weib empor und sagte:
„Er darf nicht sterben. Ich werde Euch zeigen, daß er leben wird.“
Sie ging fort, und wir standen schweigend da und sahen ihr nach, wie sie in das Krankenzimmer verschwand. Wir begriffen alle, wie tief sie es empfand, daß jede Möglichkeit der Hoffnung wirklich vorüber war und daß sie darum das Gelübde ablegte, ihn dem Tode zu entreißen — allen zum Trotz. Wir schieden ohne viele Worte, und ich folgte meiner Frau, ohne zu wissen, was ich ihr sagen wollte, nur um in ihrer Nähe zu sein und vielleicht das zu sehen, was ich am meisten fürchtete.