Es war dann, als ginge ihre Seele plötzlich von uns fort und ließe uns allein. Die Knaben wechselten Blicke mit mir, Blicke, die deutlich sagten, daß sie, soweit ihr Alter es zuließ, ebenso wohl verstanden wie ich und ebenfalls litten, wenn es ihnen auch leichter fiel, die Gedanken zu zerstreuen. Svante stand auf und streichelte Mama, und er fühlte sich nicht zurückgestoßen, weil es ihm nicht gelang, ihre Augen zu erhellen. Er konnte nachher zu mir kommen und sagen:

„Mama thut mir so leid.“

Das war alles für ihn, und drum war er vielleicht ein besserer Tröster als ich.

Olof saß bei solchen Anlässen mehr still da und versuchte mit mir zu sprechen, als wäre alles, wie es sein sollte. Aber seine Augen folgten der Mutter, und ging sie hinaus, um allein zu sein, was oft geschah, wenn sie fühlte, daß sie uns nicht länger ansehen und mit uns sprechen konnte, dann pflegte er sich an ihre Thüre zu schleichen und dort lange zu stehen und zu horchen. Dauerte das Schweigen allzulange, so ging er sachte hinein, und geschah es, daß er abgewiesen wurde, dann kam er still zurück und setzte sich mit einer resignierten Miene nieder, als wüßte er, daß er nicht alles auf einmal verlangen könnte.

Es erging ihm wie mir, er hätte es als eine Erleichterung empfunden, wenn er nur gewußt hätte, was er thun sollte.

Und wenn wir drei zu solchen Zeiten allein saßen, dachten wir alle an das, was wohl hinter der verschlossenen Thüre vorging, wo meine Frau sich immer näher und näher zu der Grenze hinarbeitete, an der das Leben aufhört, wo sie sich zum Tode durchkämpfte.

„Wißt Ihr, woran Mama leidet?“ sagte ich eines Tages.

Olof sah fort, ohne etwas zu sagen, aber Svante antwortete:

„Ja.“

Ich hätte übrigens nicht zu fragen gebraucht. Denn ich wußte, daß sie sie auf das vorbereitet hatte, was kommen sollte.