30. Oktober.

Die furchtbare Spannung fängt an, vorüberzugehen, und meine Frau befindet sich von Tag zu Tag besser. Nach dem Dunkel des Winters werden wohl einmal die Tage länger und die Stunden lichter.

8. Dezember.

Es ist lange her, seit ich mein Tagebuch berührt habe. Aber das kommt daher, daß ich gearbeitet habe. Ich habe ein Theaterstück geschrieben, und es ist wunderlich zugegangen. Mitten in Korrekturen und Arbeit aller Art, in der Kränklichkeit meiner Frau und einer Nervosität, die mir mein ganzes Wesen wie eine Bogensaite gespannt erscheinen ließ, bin ich des Morgens aufgestanden und habe mir die Zeit zum Schreiben gestohlen. Ich habe Nacht für Nacht bis zwei Uhr geschrieben. Ich habe Whisky getrunken, um mich wach zu erhalten. Ich bin mitten in der Arbeit ausgegangen und habe soupiert, um Lärm zu hören und Gesichter von Menschen zu sehen, mitten in einem fieberhaften Leben zu sein, es um mich wogen und meine Schläfen brennen zu fühlen.

Aber das Stück wurde fertig, und ich fühle nur eine große Mattigkeit. Was ich erreichen will, ist jetzt wahrlich weder Ruhm, noch Schriftstellerfreude. Ich habe das Gefühl, als lebte mein Hirn allein auf Kosten des ganzen übrigen Körpers. Ja, es ist schade, daß der Tag nur vierundzwanzig Stunden hat, wenn es gilt, das Unmögliche zu erreichen.

17. Dezember.

Es ist mir, als ob, ohne daß ich es klar weiß, alles, was ich erlebt habe und lebe, war und bin, in irgend einer wunderbaren Weise einer Erfüllung entgegenginge, die sich vollzieht, ohne daß ich einen Finger rühren kann. Während all dem lebe ich mein gewöhnliches Leben, und ich glaube nicht, daß Jemand mich eigentlich verändert findet. Ich bin froh, wenn ich herauskomme und Menschen treffe, sogar ausgelassen. Denn das lindert.

Aber daheim lebe ich mein wirkliches Leben. Und unablässig habe ich dort das Gefühl, als glitte über sie und mich etwas von dem, wovon ich einmal selbst in einem ganz anderen Zusammenhang geschrieben habe, daß es „größer als Glück und Unglück“ ist, etwas von dem, das keinen Namen hat.

In all dem ist natürlich meine Frau der Mittelpunkt. Ob sie der Gesundheit oder dem Untergang entgegengeht, weiß ich nicht. Dies scheint mir jetzt etwas zu sein, in das ich nicht eingreifen kann. Es kommt mir zuweilen vor, als stünde ich außerhalb, als hätte ich keinen Teil daran und könnte es niemals erreichen. Und in all dem ist keine Ueberspanntheit, nur eine resignierte Sehnsucht, die farblos ist.

25. Januar.