Meine Frau hat sich heute ans Klavier gesetzt. Singen will sie wohl noch nicht, aber ich habe doch wieder Musik in meinem Heim gehört, und die Melodieen von einst haben unseren Sinn gleichsam auf einen neuen, helleren Ton gestimmt. Ueberhaupt ist in letzter Zeit etwas Neues über sie gekommen, etwas Neues, das mehr verspricht, als das Frühere. Sie ist zum Leben erwacht und ist mit uns Andern wie zuvor. Noch nicht so recht vielleicht. Aber ich fühle, wie sie uns mit jedem Tage näher kommt. Zuweilen glaube ich, was sie sagt, daß all das kommt, weil sie weiß, daß sie nun bald scheiden wird und daß diese Hoffnung sie aufrecht hält. Aber zuweilen glaube ich, daß wenn es auch jetzt so sein mag, all dies doch auf dem Wege ist, in etwas Größeres hinüberzugleiten, das sie selbst mit Verwunderung und Angst spürt, aber nicht glauben will.

Wie es damit ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß ich jetzt nicht verzweifelt bin, wie ich früher war. Denn jetzt lebe ich unter dem Schicksal, das das meine ist und das — geschehe was da will —, so wie ich es jetzt sehe, nichts Häßliches in ihr Leben und in das meine bringen kann. Das hatte ich gefürchtet.

19. Februar.

Ich halte das nicht länger aus. Ich habe Schwarz und Schwarz und Schwarz um mich gesehen, so daß ich in Raserei gerate, so wie ich nur mich selbst in einem Spiegel erblicke. Und das Beste ist, daß meine Frau selbst anfängt, ein wenig von alledem zu fühlen.

26. März.

Ich gehe nur und warte darauf, daß der Winter wirklich zu Ende geht, so daß wir von hier fortkommen. Eine Apathie höchst wunderlicher Art beherrscht mich, und ich habe manchmal Angst, daß dieser Winter mich gebrochen hat. Was der Sommer bringen kann, ist vielleicht auch nicht gerade etwas, worauf man Erwartungen setzen kann. Wir zogen nach Stockholm herein, oder richtiger wir mieteten eine Wohnung, als wir glaubten, daß alles uns vorwärts tragen würde, wenn auch langsam. Wie es geworden ist, wäre es besser gewesen, wir wären auf dem Lande geblieben, in der Abgeschiedenheit, die für uns das Beste zu sein scheint. Hier ist es einsamer als dort.

Die Sorge wirkt verscheuchend.

31. Mai.

Heute ist unser Hochzeitstag. „Im wunderschönen Monat Mai.“ Ich kann es nicht lassen, etwas aufzuzeichnen, wie kindisch ich auch selbst fühle, daß es ist. Es sind nämlich heute vierzehn Jahre, daß wir verheiratet sind, und das Jahr, das vergangen ist, war das schwerste. Das, was vergangen ist, war ja das dreizehnte — das Unglücksjahr par préférence. Es ist, als glaubte ich, daß Jemand oder etwas von nun an unseren Weg ebnen wollte, oder als fühlte ich, daß etwas in mir der Heilung nahe sei. Und all dies, weil mir eine Ziffer eingefallen ist, die unter normalen Verhältnissen sicherlich spurlos an mir vorübergegangen wäre.

25. Juni.