Der Gedanke, der sich schon vorhin dem Adjunkt aufgedrängt hatte, kam wieder. Und jetzt kam er mit solcher Gewalt, daß alle egoistischen Bedenken wichen. Mit einer plötzlichen Anstrengung sagte er: „Ist es dein Beruf, der dich quält?“

Ernst schwieg einen Augenblick und blickte zur Seite. Und schon bereute der Adjunkt seine Frage. Er fühlte, daß er richtig geraten hatte, und der peinigende Gedanke an die Zukunft ergriff ihn. Er dachte an des Sohnes Stellung, an das, was die Leute, was seine Frau sagen würden. Und mit lähmendem Schreck fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf:

„Und das Geld! Die Ausgabe! Neue Schulden! Neue Sorgen!“ Atemlos wartete er auf die Antwort des Sohnes.

Ernst saß ganz stumm. Jetzt war die Stunde da. Jetzt sollte es gesagt werden. Jetzt würde er es sagen. Und in der Einbildung war ihm so leicht zumut, als wäre es bereits gesagt.

Dann aber kehrten seine Gedanken in ihren gewohnten Kreislauf zurück; mit einer unerhörten Kraftanstrengung bezwang er sich, sah dem Vater in die Augen und antwortete, ohne zu zittern: „Du irrst, Papa. Ich habe meinen Beruf aus freiem Willen gewählt.“

Der Adjunkt fühlte, daß der Sohn log. Aber er wagte nicht, die Frage zu wiederholen, aus Angst, eine andere Antwort hervorzulocken. Er hatte sein möglichstes getan, um sein Gewissen zu befreien, und ein Seufzer der Erleichterung entschlüpfte ihm, während er seine Hand aus der des Sohnes zog.

„Gott sei Dank!“ sagte er leise.

Der Wagen rollte weiter. Die beiden Männer saßen lange schweigend nebeneinander, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Ernst führte mit einer Bewegung, die ihm eigen war, oft die Hand zum Gesicht und zupfte an einem weichen Bart.

Der Adjunkt bemerkte es; und, um durch einen Scherz das peinliche Schweigen zu brechen, sagte er:

„Bald hast du überhaupt keinen Bart mehr zum Dranziehen.“ Ernst ließ hastig die Hand sinken und lächelte gezwungen. „Das ist wahr!“ sagte er.