Seine Stimme war klar und beherrscht, und er blickte dem Bruder ruhig ins Gesicht. Man sah es ihm an, daß ihm das Landleben gut getan hatte. Er war dicker geworden, das Gesicht hatte Farbe und ein leiser Bartansatz zeichnete sich von den Wangen ab.
„Aber,“ fuhr er fort, „die Schwierigkeiten sind nicht unüberwindlich; und wer mit reinem Willen in den priesterlichen Stand tritt, dem wird der Herr auch zu einem rechten Glauben verhelfen, mag er auch anfänglich schwach und schwankend sein. Ist die Zeit so böse, ist der Unglaube so stark, daß sie, wenn möglich, sogar die Auserwählten zu verführen drohen, so steht um so fester die Verheißung unseres Herrn, daß dem, der am eifrigsten in seinem Dienst gearbeitet hat, im Himmel seine Stätte bereitet ist, die ihn für seine Arbeit auf Erden belohnen wird.“
Frau Hallin nickte dem Sohn zu. Wieder einmal freute sie sich, daß der Herr doch eins ihrer Kinder bewahrt hatte...
Im selben Augenblick aber begegnet Ernst Hallins Auge einem Blick, der einen ganz anderen Ausdruck hatte. Eva Baumann war es, die ihn ansah. Ihr Blick war kalt, fragend, neugierig. Sie hatte ihn im letzten Jahre da und dort getroffen und sich selber immer wieder gefragt, wie es möglich sei, daß sie so gleichgültig sein konnte. So ganz, als wäre zwischen ihnen gar nichts vorgefallen.
Und jetzt fühlte Ernst diesen forschenden Blick auf sich ruhen. Er drückte keinerlei Interesse für seine Person aus, nichts als unbezwingliche Wißbegierde. Es sah aus, als möchte sie bloß um jeden Preis ergründen, wie er eigentlich innerlich zusammengesetzt war. Und zugleich bemerkte er ein fast unsichtbares ironisches Lächeln auf ihren Lippen.
Pastor Hallin war sehr unbehaglich zumut. Er sagte sich selber, er habe ja doch nicht gelogen. Es war wirklich seine Überzeugung, die er da ausgesprochen hatte; und er freute sich darüber, daß er sie ausgesprochen hatte.
Dennoch stand er auf und wechselte den Platz; und dabei konnte er es nicht hindern, daß er tief errötete.
Ende