Dann ein Flüstern, das nicht zu verstehen war. Und darauf die Stimme der Professorin: „Laß schon, Abel! Du weißt, ich mag keine Judasküsse! Geh nur mit deinen Kollegen! Du weißt ja, ich schlaf’ doch nicht, eh du daheim bist!“

Und dann des Professors Stimme: „Adieu, lieber Schatz! Halt gut Haus, solang ich fort bin! Schlafen wirst du schon, paß nur auf, — wenn du nur erst zu Bett bist!“

Im nächsten Augenblick witschte der Professor wieder ins Zimmer, den Finger auf die Lippen gedrückt.

„So, jetzt weißt du, wie man’s macht! Jetzt rasch, geh heim, und nachher treffen wir uns im Ratskeller! Bruhn ist auch da und Kumlander und noch ein paar. Heut abend ist was ganz Besonderes los, mußt du wissen!“

Der Adjunkt ging sehr eilig nach Hause an solchen Abenden. Er machte kleine, rasche Schritte; sein Gesicht hatte einen ganz besonders belebten Ausdruck. Für einen Abend wollte er einmal den Schulzwang und die Familienbürde von sich werfen! Wollte sich einmal wieder ledig fühlen und frei! Er war auch ganz sicher — seine Frau würde ihn verstehen und ihm die Freude durch kein saures Gesicht stören. Sie wußte ja, wie nötig er’s hatte, einmal so recht herauszukommen!

Mit behutsamen Schritten trat er ins Wohnzimmer, in dem seine Frau saß. Er hatte noch den Mantel an und den Stock in der Hand. Und ohne weitere Vorbereitung brachte er sein Anliegen vor; so sicher, wie vorhin auf der Straße, fühlte er sich freilich nicht mehr.

Frau Hallin sah eigensinnig auf ihre Arbeit. Um ihren Mund legte sich ein strenger Zug.

„Pastor Simonson war hier; und ich hab’ ihn auf heut abend eingeladen!“ sagte sie.

„Er hat ja Ernst!“ meinte der Adjunkt eifrig.

Frau Hallin blickte von ihrer Arbeit auf und sagte ernsthaft: „Um unsres Sohnes willen müßtest du das nicht tun!“