Fünfmal war es jetzt schon so gegangen. Immer war der Professor ganz unerschütterlich in seinem Glauben, immer war er gleich mitteilsam und vertrauensvoll den Kollegen gegenüber, immer ward er betrogen und immer hoffte er gleich unverdrossen auf mehr Glück das nächstemal. Weshalb es auch unter den Kollegen zum stehenden Scherz wurde, Kumlanders könnten bloß Mädchen kriegen.
Diesmal genierte er sich aber doch ein bißchen. Er wußte, heute würde es über ihn hergehen! Und mag man noch so gutmütig sein, — ein bißchen peinlich ist so was doch.
Der Adjunkt bezwang einstweilen seine Lachlust noch und fragte nur boshaft: „Na, wie ist’s denn? Achte hast du jetzt, was?“
„Quatsch!“ sagte der Professor gutmütig. „Ich bin doch überhaupt erst acht Jahre verheiratet.“
Und lachend gingen die beiden Herren die Ratskellertreppe hinab.
Daß die Herren grade heute abend zusammenkamen, das hatte Professor Hallin zuwege gebracht. Er hatte niemand gesagt, warum; denn der „Anlaß“ sollte eine Überraschung sein. Er hatte es nur eingerichtet, daß sie alle sich an diesem Abend treffen wollten, so viele von denen, die zu einem lustigen Abend gehörten, er überhaupt zusammentrommeln konnte. Daß bei Kumlanders etwas erwartet wurde, hatte er durch seine Frau erfahren. Seitdem hatte er nach besten Kräften seine Vorkehrungen getroffen. Gradezu gefiebert vor Unruhe hatte er beim Gedanken, es könnte doch möglicherweise ein Junge sein. Das hätte ja den ganzen Spaß verdorben. Vormittags war Professor Kumlander nicht in der Schule gewesen; und Professor Hallin hatte sich in einer der Pausen die Nachricht zu verschaffen gewußt, daß das große Ereignis stattgefunden hatte. Er hüpfte vor Freude, als er hörte, daß das Kleine ein Mädchen war. Professor Kumlander pflegte jeden Abend um sieben Uhr auf ein Stündchen zum Abendschoppen in den Ratskeller zu gehen; und daß er an einem so wichtigen Tag nicht ausbleiben würde, war ziemlich sicher.
Als darum Hallin und Kumlander jetzt zusammen in das kleine Nebenzimmer traten, fanden sie vor dem Sofa einen langen Tisch, auf dem heftig dampfende Groggläser winkten, und um den Tisch den ganzen Kreis der älteren Lehrer versammelt. Es mochten alles in allem etwa zehn Personen sein.
Da saß Doktor Björkén, ein langer, hagerer Magister, dessen Adlernase in dem üppigen Bart fast begraben war. Daneben Professor Eneman, ein kleiner, fetter Herr mit Glatze und Brille. Seine Augen fuhren beständig nach allen Seiten umher, als fordre er den Beifall seiner Nebensitzer heraus, und um seine Lippen lag ein Lächeln, das bezeugen sollte, daß ein guter Witz bei ihm stets eine gute Statt finde. Da saß der lustige alte Svartengren, ein alter Junggesell, der bloß die Augen zu verdrehen brauchte, um alle Welt zum Lachen zu bringen. Er saß da und zog die Mundwinkel vor Lachen bis an die Ohren, während sein unmäßig dicker Bauch sich wie ein Berg vom Tischrand zur Brust emporwölbte. Da saß Magister Barfoot, ein brünetter Mann mit schwarzem Spitzbart und dem Monokle im Auge. Er war ein Misanthrop und nur aus Versehen in die Gesellschaft geraten. Auf dem Sofa saß Professor Hallin, und hinter ihm waren Professor Bruhns gewaltige Figur und noch ein paar andere sichtbar.
Professor Hallin hatte „den Anlaß“ schon mitgeteilt. Er war frühzeitig gekommen und hatte seine Truppen um sich versammelt. Als darum Kumlander in der Tür erschien, erhob sich die ganze Gesellschaft und verbeugte sich ernsthaft.