„Können wir das nicht ebensogut im Sitzen abmachen?“ sagte er.
Jetzt machte man Raum für Kumlander. Er mußte auf den Ehrenplatz. Auf das Sofa gehörte er.
Er sah auch ganz so aus, als fühle er sich als Held des Tages. Die Aufmerksamkeit, die einen andern in Verlegenheit gesetzt hätte, genierte ihn nicht im geringsten. All die Scherze genierten ihn höchstens in der Phantasie. In Wirklichkeit freute ihn diese ganze Hänselei, die so grob, so alles andere eher als zartfühlend war, weit mehr, als wenn man ihn ernst genommen hätte. Als er jetzt zwischen die Professoren Eneman und Hallin gesetzt wurde, sah er ordentlich strahlend aus und mischte sich seinen Grog mit einem Selbstgefühl, als wäre er ein junger Ehemann, der sein Erstgeborenes feiert.
Es war eine Freude zu sehen, wie Professor Kumlander seinen Grog braute. Mit welch vergnügter und gleichzeitig wichtiger Miene er die Zuckerstücke in der Hand wog, eh er sie ins Glas warf. Wie dicht er das Glas an das Licht hielt, um ja genau zu sehen, daß er auch nicht zuviel, aber ja auch nicht zuwenig einschenkte. Genau einen Viertelzoll über das Geschliffene hinaus mußte es sein. Und der Zucker mußte zergehen. Kein noch so winziges Stückchen durfte zurückbleiben; sonst sah es trüb aus. Wenn dann die Mischung klar war, goß der Professor langsam und bedächtig den Kognak zu, und wenn das Getränk die richtige braune Färbung hatte, schmunzelte er übers ganze Gesicht, nahm sein Glas mit einer liebkosenden Bewegung in die Hand und sagte: „Jetzt, glaub’ ich, kann man das Gesöff trinken. Prost!“
Und er führte es mit prüfender Miene an die Lippen. Ja, es war recht. Ein winziger Tropfen Kognak noch, dann war’s noch besser. Und dann ein langer, wollüstiger Zug aus dem dampfenden Glas.
Einen Augenblick war es still um den Tisch. Kumlander sah sich um mit einem Gesicht, als fühle er die Verpflichtung, etwas zu sagen.
„Tja — es ist wieder ein Mädchen geworden!“ sagte er.
Natürlich platzte die ganze Gesellschaft los. Durch den Lärm hindurch hörte man Professor Hallins lärmendes, klingendes Lachen. Aber alle übertönte Bruhns gewaltiger Baß.
Dann erhob sich Professor Hallin. Alles verstummte. Er faßte sein Glas und bat ums Wort.
„Meine Herren!“ begann er mit gut gespieltem Pathos, „lassen Sie uns einen Augenblick gemeinsam andächtigen Herzens das wichtige Ereignis betrachten, das uns heute hier zusammenführt. Wir dürfen es ja wohl, ohne allzu indiskret zu erscheinen, bei Namen zu nennen. Unserem Freund Kumlander ist ein Töchterchen geboren.