Hierbei ist vor allem zu beachten, daß ein Töchterchen ihm geboren ist, mit andern Worten, daß ihm kein Junge geschenkt ward. Wenn ich daran erinnere, so tue ich es in der Hoffnung, es möchte dies auf unseres Freundes Kumlander Gefühle in keiner Weise verletzend wirken. Es soll dies keineswegs ein Mißtrauen in eine Fähigkeit ausdrücken, von der wir schon oft genug zu leuchtende Beweise empfangen haben, als daß wir Zweifel in sie setzen dürften.“
Ein kurzes Gelächter bezeugte, daß die Zuhörer dem Vortrag mit Interesse folgten.
„Es wird indessen behauptet,“ fuhr der Redner fort, „daß unser Freund Kumlander mit dieser Tatsache nicht völlig einverstanden ist. Er findet es eintönig und wünscht sich Abwechslung. Doch, meine Herren, die Geschichte lehrt uns, daß rascher Wechsel gefährlich ist, und daß man unter allen Umständen gut daran tut, sich an das zu halten, was man die ‚historische Kontinuität‘ nennt.“
Diese witzige Wendung wurde nur von Professor Bruhn gewürdigt, der Bravo schrie.
„Da nun alle plötzlichen Übergänge als im höchsten Grad gefährlich bezeichnet werden müssen, so möchte ich bei dem Anlaß, zu dessen Feier wir hier zusammengekommen sind, auf einen Umstand hinweisen, der für unsern Freund Kumlander als ein ganz unbestreitbarer Vorteil zu betrachten ist. Ich habe gesagt, das Bemerkenswerte bei dieser Sache sei, daß Kumlander Vater eines Töchterchens geworden ist. Aber ich möchte zugleich noch einen zweiten beachtenswerten Umstand betonen — nämlich, daß er Vater eines Töchterchens geworden ist, das heißt nicht Vater von zweien oder dreien oder gar vieren!“ (Bravo!)
„Tja, man kann ja nie wissen! Und man muß zugeben — besser ist besser. Meine Herren! Man spricht von Shakespeare, von seiner schöpferischen Kraft, Frauentypen zu gestalten! Aber was ist das gegen Professor Kumlander? Darum, meine Herren, schlage ich vor, daß wir auf das Wohl unseres Freundes Kumlander trinken! Und zugleich mit den herzlichsten Wünschen für das Wohlergehen seiner Frau und des kleinen Neugeborenen wage ich die Hoffnung auszusprechen, es möge dies nicht das letztemal sein, daß wir aus diesem Anlaß hier versammelt sind!“
Professor Kumlander stieß mit dem Redner an und dankte ihm.
„Danke dir, Hallin! Aber ich hoffe trotzdem, daß der Anlaß nächstesmal ein anderer sein wird!“
Und indem er einen tüchtigen Schluck Grog nahm, setzte er sich wieder auf seinen Platz und zwinkerte vergnügt mit den Augen.
„Nächstesmal wird es ein Junge!“ sagte er. „Dafür will ich, hol’s der Kuckuck, schon sorgen!“