Das Hoch wurde jubelnd ausgebracht. Eine Viertelstunde darauf drehte die Kellnerin in dem leeren Zimmer das Gas aus.

Durch die dunkeln Straßen strebten einsame Gestalten ihren Wohnungen in den verschiedenen Teilen der Stadt zu. Und diejenigen, die um sieben Uhr am nächsten Morgen heraus mußten, schüttelten sich und hasteten vorwärts, um möglichst bald zu Bett zu kommen.

Aber man mußte ein bißchen vorsichtig sein. Denn Punkt zwölf Uhr nachts kam der Laternenmann und löschte die gelben flackernden Flammen aus, eine um die andere, die ganze Lange Straße hinunter. Es wurde dunkel; nur der Ruf des Nachtwächters störte noch das Schweigen in der schlafenden Stadt.

Elftes Kapitel

E

Es war wie ein stummes Übereinkommen zwischen Ernst und dem Vater, daß Frau Hallin nicht zu wissen brauchte, wo Ernst am Abend gewesen war. Das heißt, keinem von beiden wäre es eingefallen, ihr die Sache mitzuteilen. Aber als Ernst morgens zum Frühstück herunterkam, war er doch ein bißchen verlegen, fast, als hätte er etwas Verbotenes getan. Er merkte, daß die Augen der Mutter sich mit einem ängstlich fragenden Ausdruck ihm zuwandten, und er entsann sich plötzlich wieder des Auftritts zwischen ihnen vom Abend zuvor. Er hatte die ganze Nacht gut geschlafen und als er aufwachte, dachte er bloß an das Zusammensein vom gestrigen Abend. Ein angenehmes, heiteres Gefühl erfüllte ihn; und als er aufstand und zum Fenster hinausschaute, schien die Sonne über die Schneewehen auf dem Domplatz und der Himmel lachte so blau zwischen den Zweigen der Ulmen herab. Da ward ihm noch viel leichter ums Herz; er summte ein paar heitere Melodien vor sich hin, während er die Weste zuknöpfte und vor dem Spiegel seine Krawatte band.

Als er jetzt dem Blick der Mutter begegnete, fiel ihm auf einmal der ganze vorhergehende Abend ein. Seine heitere Stimmung verschwand und machte derselben Unruhe und Reizbarkeit Platz, die ihn den ganzen gestrigen Tag über beherrscht hatten. Er dachte wieder an den Unwillen, den er Simonson gegenüber plötzlich empfunden hatte, an seine Heftigkeit gegen die Mutter und wie rasch er dann das alles beim Glase vergessen hatte. Er wich dem Blick der Mutter aus und zwang sich, Gutenmorgen zu sagen, als wäre nichts geschehen. Dann setzte er sich allein zu seinem Frühstück. Man versammelte sich dazu nicht im Hallinschen Haus, sondern jeder kam und ging nach eigenem Belieben.

Schweigend nahm er seine Mahlzeit ein. Als er fertig war, hatte er einen unbestimmten Drang nach Einsamkeit; und mit einem Gefühl der Ungeduld dachte er an sein kleines Zimmer in Upsala, wo er wußte, er konnte immer ungestört sein. Er erhob sich und ging nach der Tür.

„Wo gehst du hin?“ hörte er die Mutter aus dem Wohnzimmer rufen.