Jung-Daphnis titiens amore.
Du böse Zauberin Natur,
Was schufst du sie so lieblich nur!“
Ernst hatte dies selbe Lied von den Freunden in Upsala gehört, und es kam ihm komisch vor, es hier, unter alten, gesetzten Männern, von denen die meisten schon graues Haar hatten, wiederzuhören. Gleichzeitig aber fing er doch an, sie mit andern Augen anzusehen, menschlich und weniger mit Studentenkritik. Sie gefielen ihm in ihrer Fröhlichkeit; er begann die unterdrückte Lebenslust zu verstehen, die sich hier zwischen vier Wänden Bahn brach, in einer engen, verrauchten Kneipe, weil die schwere Arbeit ums tägliche Brot sie hinderte, die Freude täglich zu Gast zu laden.
Professor Bruhn, den er so oft verspottet hatte, war sicher ein prächtiger Kerl. Und Svartengren, der ihm gegenübersaß, voll Befriedigung über den Beifall für sein Lied, und sich eben anschickte, ein zweites zu singen — wie seine Augen strahlten durch die Rauchwolken, die um ihn her qualmten!
Und sein Vater! Wie frei er aussah, wie lebhaft er sich bewegte, wie jugendlich seine Rede klang! Ohne sich zu besinnen, erhob Ernst sein Glas und trank mit einem Lächeln dem Vater zu. Aber im gleichen Augenblick errötete er über das Gefühl, das ihn dazu antrieb.
Der Adjunkt trank sein Glas aus und nickte dem Sohn auch zu. „Prosit, mein Junge! Das ist nett, daß du gekommen bist!“
Bis nach zwölf Uhr saß die Gesellschaft beisammen. Anekdoten wurden erzählt, Lieder gesungen. Als man endlich ans Aufbrechen dachte, erhob sich Professor Bruhn, der sonst nie eine Rede hielt, und bat die Anwesenden, den frohen Anlaß, der sie zusammengeführt hatte, nicht zu vergessen.
„Ich hoffe, alle Anwesenden werden sich mir anschließen und ein Hoch ausbringen auf Kumlander, und ihm danken, daß er so liebenswürdig war, uns den Anlaß zu diesem frohen Abend zu verschaffen!“