„Ich habe schon darüber nachgedacht“, sagte er. „Aber ich kann nicht gut über so was reden, eh’ ich’s aufs Papier gebracht habe.“

Frau Hallin sah auf und nickte. Etwas Altes kam in ihr Gesicht, das dem Sohn weh tat.

„Ich werde warten, bis du selber davon sprechen magst“, sagte sie einfach.

Mit einem Gefühl der Reue ging Ernst auf des Vaters Stube. Es bedrückte ihn unsagbar, daß er der Mutter nicht hatte anders antworten können.

Er verstand ja, daß sie seit Tagen, seit Wochen darauf wartete, daß er etwas über die Sache sagen sollte. Seit der Tag für die Predigt bestimmt war, dachte die Mutter unaufhörlich an ihn, das wußte er, und machte sich vielleicht große Vorstellungen von dem reichen geistigen Leben, das solch ein wichtiger Entschluß in ihm wecken müßte. Sie hatte kaum an etwas anderes gedacht, hatte den Text für sich durchgelesen, hatte versucht, sich auszudenken, wie er, so wie sie ihn kannte, diesen Text auffassen würde. Sie sah in ihm nur noch den zukünftigen Verkünder der Heiligen Schrift; sie erwartete von ihm, er müsse ein Streiter für die Sache Gottes werden, ein gewaltiger Erwecker, der die Gemüter bewegen und die Seelen für Gottes Reich gewinnen würde. Und es hatte sie danach verlangt, daß er von selber kommen und mit ihr reden würde, so stark danach verlangt, daß sie es nicht lassen konnte, ihn zu fragen, obwohl sie begriff, daß ihm das unangenehm sein mußte.

Er sah das alles, ganz deutlich, als ob sie selbst es ihm erzählt hätte, und trotzdem konnte er seine Unlust, daß sie ihn hatte ausfragen wollen, nicht überwinden. Er war so daran gewöhnt, einsam, nur mit seinen Gedanken, zu leben, daß er jeden Versuch, in ihn einzudringen, fürchtete.

Was hätte er ihr auch sagen sollen?

Ungeduldig ging er im Zimmer auf und ab.

Was sollte er sagen?

Er hatte ja die ganze Zeit her gar nicht an derartiges gedacht; und das beunruhigte ihn jetzt. An alle möglichen gleichgültigen Dinge dachte er. Alles, was er sah, interessierte ihn, fremde Menschen, mit denen er bekannt wurde, die Geschwister daheim, die Eltern, die Menschen in Gammelby, das Wetter, das Leben auf den Straßen, die Umgebung der Stadt, in der er täglich seinen Spaziergang machte. Alles interessierte ihn. Alles, bloß nicht Bücher.