Besonders verweilte er bei einer Schilderung des Hallinschen Heims.
„Es ist nicht das erstemal,“ schloß er, „daß ich an diesem Tag in diesem Haus die Freude habe, ein solches Hoch auszubringen. Aber mit jedem Jahr wird dies Hoch bedeutungsvoller. Denn jedes Jahr, das vergeht, knüpft die Bande fester zwischen diesem Paar, das heute die Wiederkehr der Stunde feiert, da sie gelobten, in Treue miteinander durchs Leben zu wandern.“
„Bravo!“ rief Professor Eneman und überflog die ganze Gesellschaft mit einem funkelnden, triumphierenden Blick.
„In Lust und Leid, wie das alte Wort sagt“, fuhr der Bischof fort. „Und in unsern Tagen, da man von allen Seiten die Heiligkeit der Ehe antastet, da die Menschen nicht mehr die Bande der Familie achten, sondern selber sich an die Stelle der göttlichen Autorität setzen, grade in diesen Tagen, meine Damen und Herren, möchte ich wünschen, ich könnte ein paar von diesen Großsprechern einführen in — ich kann Gott sei Dank sagen, viele — unserer alten nordischen Heime und ihnen sagen: Seht dies Glück, das ihr zerstören wollt, diese Treue durch Glück und Leid“ — der Bischof sprach die Worte aus wie Hammerschläge — „die ihr abschaffen wollt!“
„Meine Damen und Herren!“ der Bischof schlug jetzt einen leichteren Ton an — „ich bitte Sie, sich mit mir zu vereinigen, unsern werten Wirten für den angenehmen Abend zu danken und ihnen gleichzeitig noch viele weitere Jahre wie das eben verflossene zu wünschen. Glück und Segen ihnen beiden!“
Die Gäste drängten sich um die Hauswirte. Frau Hallin dankte mit heißen Wangen und Tränen in den Augen. Professor Hallin versuchte einen leichten Ton anzuschlagen und verbeugte sich lächelnd nach rechts und links.
Nach dem Abendessen begannen die Gäste aufzubrechen. Eine Weile versuchte man noch, die Unterhaltung fortzusetzen. Aber der zweite Versuch erstarb ganz von selbst. Alle fühlten, der Anlaß zu der Zusammenkunft war nun vorüber. Alle waren satt und alle sehnten sich nach Hause, ins Bett.
Im Vorzimmer war wieder ein großes Gedränge; schläfrige Dienstmädchen, die seit zwei Stunden dastanden und warteten, halfen den Damen in ihre Mäntel und Pelze. Die Herren liefen noch einmal die Wendeltreppe hinauf, um sich noch eine Zigarre zu holen. Drunten vor der Tür stand Gustaf Hallin, überglücklich mit seinen zwei Zigarren, die er erschmuggelt hatte, und wartete auf die Seinen. Wenn er daheim auf seiner Stube war, wollte er rauchen! Jetzt wagte er’s nicht. Es waren so viele Lehrer um den Weg.
Als alle Gäste fort waren, ging der Professor zufällig noch einmal durchs Vorzimmer. Die Korridortür war angelehnt, und durch die Tür hörten des Professors geübte Ohren einen verdächtigen Laut, der wie ein Kuß klang.
Er blickte hinaus. Im Halbdunkel glaubte er einen Offiziersmantel zu sehen, der die Treppe hinunter verschwand. Und zur Tür herein kam eines der Hausmädchen, rot wie eine Päonie. „Wer ging denn da eben fort?“ fragte der Professor und legte die Sicherheitskette vor.