2. Herstellung aller möglichen Farben, besonders von Weiß, in vorzüglicher Art.
3. Veredlung der minderwertigsten Häute, selbst der Schaffelle, so daß sie dreißig Jahre lang als Hängeriemen für Kutschwagen zu brauchen sind.
4. Ein Ersatzstoff für Cochenillefarbe.
5. Bleichen der Leinwand in kürzester Zeit und besser als in den Niederlanden, doch ohne den Stoff anzugreifen.
6. Veredlung von Seidenstoffen und Färbung mit den schönsten Farben.
7. Herstellung eines Lebenselixiers.
Diese Geheimmittel bestimmt er für die russische Zarin[440], für die er eine ganz besondere Zuneigung hegt. Doch sollen sie nach seiner Behauptung als Grundlage für den Handelsverkehr zwischen Sachsen und Rußland und für ihre gegenseitige politische Verbindung dienen. Beide Länder sollen durch diese Erwerbung zu vollkommenem Glück und zum Überfluß gelangen, sodaß sie sich gegenseitig nicht mehr entbehren und ohne einander nicht glücklich werden können. Gegenwärtig ist er jedoch mit Sachsen und mit dem Empfang, den er hier gefunden hat, unzufrieden, und so scheint es, als ob die Staaten E. M. an Stelle von Sachsen treten sollen, nicht bloß, um ihr Glück zu begründen, sondern auch, um das bestehende Bündnis zwischen Preußen und Rußland[441] zur Notwendigkeit zu machen und auf ewig zu besiegeln. Ich nehme an, daß dies der Hauptinhalt seines Briefes und seines Planes ist, wenigstens nach einigen Äußerungen zu schließen, die er mir darüber gemacht hat. Er ist sogar fest entschlossen, Sachsen als zu kleinen Schauplatz für einen so großen Geist wie den seinen zu verlassen, aber trotzdem wird er einige Menschen glücklich machen, die ihm als getreue Apostel anhängen. Nach seiner Behauptung hat diese Fülle von Geheimmitteln ihm Millionen gekostet, doch soll das Land, das er mit diesen Gaben beschenkt, aus ihrem Gebrauch jährlich mindestens 12 Millionen netto gewinnen, wobei er hinzufügte: „Das habe ich mir nicht erst seit gestern ausgerechnet.“ Und da er über so große Reichtümer verfügt, könne kein Herrscher ihn belohnen noch ihm ein Los bereiten, das ihn zu reizen vermöge, da er selbst ein Fürst sei.
Ich wagte ihm drei Fragen zu stellen, mit denen ich ihn in die Enge zu treiben glaubte, aber er hat sich als geschickter Gaukler aus der Klemme gezogen. Zunächst fragte ich ihn, warum er seine Blicke gerade auf Rußland gerichtet habe, um es zu beglücken, da er mir doch früher gestanden habe, er besäße ein Buch, in das er fünf Herrscher und Fürsten eingetragen habe, die er bewundere und denen er besonders zugetan sei, nämlich E. M., die Zarin von Rußland, den Kaiser[442], den König von Sardinien[443] und den Markgrafen von Baden[444]. Zweitens, warum er so spät auf seine Weltbeglückungspläne käme, da er ja so hochherzige und menschenfreundliche Gesinnungen zur Schau trüge. Drittens, ob er sein langes Leben tatsächlich der Wirkung des Lebenselixiers verdanke.
Bei jeder dieser Fragen näherte er sich mir mit geheimnisvoller Miene und versicherte mir, er müsse mir ein großes Geheimnis enthüllen. Im Grunde sagte er mir aber weiter nichts als große Worte und schwatzte so unzusammenhängendes Zeug, daß es unmöglich wäre, den Inhalt kurz anzugeben noch zu begreifen, wieso ich daraus die erwünschten Erklärungen entnehmen sollte. Nur über die letzte Frage konnte ich einigen Aufschluß erlangen. Ich hatte nämlich betont, daß, wenn sein angebliches Geheimmittel dazu verleiten könnte, an die Berichte über sein hohes Alter zu glauben, mich eine Bemerkung von ihm, die er kurz vorher gemacht hatte, daran fast irremachen könne. Denn als ich an dem besonderen Vergnügen gezweifelt hatte, das er beim Lesen von Swifts[445] Werken empfände, wofern er nicht die kleinsten Einzelheiten jener Zeit kenne, da habe er mir erwidert, er kenne sie aus sehr ausführlichen zeitgenössischen Schilderungen, die er sich zu verschaffen gewußt habe. Das wäre doch unnütz gewesen, wenn er zu jener Zeit gelebt hätte. Darauf entgegnete er nur: Diese Bemerkung widerspräche seinem Geheimmittel nicht; denn es sei sehr möglich, daß er damals für zehn bis fünfzehn Jahre zurückgezogen in einem anderen Lande gelebt hätte, z. B. in Portugal; somit müsse er sich an die Berichte von anderen halten. Zudem wäre es öffentlich bekannt, daß er oft für Jahre verschwunden gewesen sei, ohne daß man seinen Wohnsitz gekannt hätte.
Aus diesen Antworten ersehen E. M., daß er zwar nicht unumwunden ja sagte, aber doch durchblicken ließ, daß er sein Alter auf Jahrhunderte berechnet.