Schreiben Saint-Germains an Prinz Friedrich August von Braunschweig
Schreiben an Friedrich August von Braunschweig; linke Seite
Schreiben an Friedrich August von Braunschweig; rechte Seite
Minister von Wurmb[476] an Prinz Friedrich August
Dresden, 19. Mai 1777.
Ich habe meinen vierzehntägigen Aufenthalt in Leipzig benutzt, um dem berühmten Saint-Germain, der sich jetzt Graf Welldone nennt, den Puls zu fühlen. Auf meine Bitte ist er sogar auf einige Zeit hergekommen. Da er, wie ich weiß, es einigen nachträgt, daß sie ihn durchaus zum Wundermann machen wollten, habe ich das Gegenteil getan und ihn als gewöhnlichen Menschen behandelt, dessen chemische und physikalische Kenntnisse meine Neugier erregt haben.
Ich fand einen Mann von 60 bis 70 Jahren, sehr lebhaft für sein Alter. Er spottet über die, welche ihm ein außerordentliches Alter zuschreiben. Er macht zwar keineswegs den Eindruck eines Neugeborenen, hat aber bei seiner geregelten Lebensweise und den guten Medizinen, die er angeblich besitzt, starken Anspruch darauf, noch lange zu leben. Trotz alledem sieht er äußerlich nicht so aus, als ob er es noch lange triebe. Man kann nicht leugnen, daß er schöne Kenntnisse besitzt. Ich werde mit ihm an einigen Artikeln der Färberei und der Verarbeitung von Wolle und Leinen arbeiten, um zu sehen, ob sich für unsere Manufakturen etwas herausschlagen läßt. Was mir mißfällt, ist, daß er oft von Millionen spricht, während er weit entfernt ist, darüber zu verfügen, und anscheinend nicht einmal Gold zu machen versteht.