III
Prinz Ferdinand von Braunschweig an Prinz Friedrich August von Braunschweig[524]

Middelfort, jenseit des Kleinen Beltes, 2. November 1779.

Ich habe die Bekanntschaft des Grafen Saint-Germain gemacht und bin davon sehr befriedigt. Dreimal war ich bei ihm. Er hat große Kenntnisse in der Erforschung der Natur erworben ... Seine Kenntnisse sind sehr ausgedehnt, und seine Unterhaltung ist denkbar lehrreich.

Christianspflegehaus in Eckernförde

IV
Aus Briefen des Grafen Warnstedt[525]

Schleswig, 24. November 1779.

Wir haben hier auch den berüchtigten Abenteurer Saint-Germain. Er ist der kompletteste Charlatan, Narr, Schwätzer, Windbeutel und in gewisser Hinsicht Gauner, der seit lange gelebt hat. Unser Prinz[526] schätzt und ehrt ihn nach besten Kräften und ganzem Herzen. Er folgt darin seiner angeborenen Neigung für Leute dieses Schlages. Er nimmt täglich drei Stunden Unterricht bei ihm. Hoffentlich wird sein Leibarzt sich mit guten Mitteln versehen, um all die Winde zu vertreiben, mit denen Seine Hoheit sich zur Zeit so zuversichtlich vollpumpt. Dieser Saint-Germain mag trotz seiner allgemeinen Menschenliebe die Stadt Kopenhagen nicht leiden und wird sie nicht besuchen. Der Schlüssel des Rätsels liegt darin, daß Graf Bernstorff ihn vor langen Jahren in Paris als das erkannt hat, was er ist[527].

Schleswig, 11. Dezember 1779.

Ich verbrachte zwei Abende bei dem berüchtigten Saint-Germain. Ich bin so sicher wie von meinem Dasein überzeugt, daß er ein Abenteurer und ein Charlatan in jedem Belange ist. Zudem besitzt er eine glühende Einbildungskraft und betrügt sich daher vielleicht manchmal selbst, wie er andere betrügt. Er ist voller Geist und Kenntnisse — wahrer und falscher —, aber noch weit mehr erfüllt von Dünkel, Hochmut und maßloser, seltener Eigenliebe. Eine Religion hat er wohl nicht; er ist ein Materialist, ein zweiter La Mettrie[528]. Ich halte ihn, nach seinem Aussehen und seiner unsicheren Sprechweise zu schließen, unbedingt für einen portugiesischen oder spanischen Juden. Der Prinz macht sich mit diesem Manne unglaublich lächerlich. Er behauptet, nur 86 Jahre alt zu sein. Übrigens ist es unrecht von mir, schlecht von ihm zu reden; denn er liebt mich sehr.